Leserbrief

Der Umgang mit dem Virus in Salzburg

Die Dramatik der Ausbreitung des Virus in Salzburg soll hier nicht weiter kommentiert werden, das tun andere zur Genüge. Das soll hier auch für die in verwirrender Zahl sich teilweise widersprechender Regelungen gelten. Doch die kürzlich ausgesprochene Aufforderung "bleiben Sie zu Hause" von Minister Anschober bringt die Situation auf den Punkt. Zahlreiche Veranstaltungen in Stadt und Land, die uns lieb geworden sind, werden abgesagt. Die Bayern hatten die Vernunft und den Mut, das Oktoberfest in München abzusagen. Und in Salzburg hat Herr Gassner den beliebten Adventmarkt in Hellbrunn abgesagt, der Entschluss ist ihm sicher nicht leicht gefallen. Es ist nicht abzusehen, wie lange Corona uns noch plagen wird und welche Auswirkungen auf Gesellschaft und Wirtschaft noch zu erwarten sind. Das Ausland hat uns ja die Rechnung schon präsentiert. Prognosen, dass im Sommer 2021 alles wieder gut werden würde, sind aus der Luft gegriffen und daher unseriös.

Aber in Salzburg geben offensichtlich unverantwortliche Kreise dem Christkindlmarkt grünes Licht, der Veranstaltung mit dem gewöhnlich größten Massenandrang in der Stadt, der sich über Wochen hinzieht. Hier hat die Profitlobby die Oberhand über andere salbungsvoll vorgetragene Ermahnungen behalten. Denn die sicher gut gemeinten, aber realitätsfernen Sicherheitsregelungen und Beschränkungen haben insofern Alibicharakter, als sie sicher nicht wirkungsvoll kontrolliert werden können, wozu das unverantwortliche Verhalten mancher Leute kommt. Es haben sich ja schon die Gegner jeder Sicherheitsmaßnahme organisiert, wie die Demonstration kürzlich am Residenzplatz beweist. Diese Versammlung hätte, wenn man die bestehenden Sicherheitsbestimmungen ernst genommen hätte, aufgelöst werden müssen, das hat mit freier Meinungsäußerung nichts zu tun. Der oft gehörte Slogan "uns sind die Hände gebunden" kann in diesem Sinne nicht gelten. Priorität hat einzig und allein der Schutz der Menschen vor einer weiteren Ausbreitung des Virus. Dem hat sich alles andere im erforderlichen Ausmaß unterzuordnen.

Daher noch einmal die Forderung an die maßgebenden Institutionen und Behörden in Salzburg: Nehmen Sie Ihre Verantwortung wahr und untersagen Sie sofort die Veranstaltung des Christkindlmarkts, eines potentiellen "Clusters" für die Ausbreitung des Virus in der Stadt Salzburg!

Es ist mir klar, dass diese Darstellung von manchen als radikal, ja als undemokratisch empfunden werden wird, aber die Situation ist zu ernst, um nicht Klartext zu reden. Und dafür beanspruche ich für mich das Recht der freien Meinungsäußerung.

Gerald Gießwein, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 26.11.2020 um 03:02 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/der-umgang-mit-dem-virus-in-salzburg-94782538

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