Leserbrief

Der Vergleich zwischen dem Grippevirus und dem Coronavirus hat einen Haken.

Da hat ein Leserbriefschreiber die Ansteckungsgefahr durch den Coronavirus verantwortungslos völlig heruntergespielt ("Hysterie und Panik sind fehl am Platz", LB v. 27.2.). Er persönlich schützt sich einfältig vor dem Virus durch Händewaschen. Tatsächlich ist das eine empfohlene Maßnahme, aber nur eine von mehreren. Die vollständigste Maßnahme wäre öffentliche Verkehrsmittel zu meiden, nicht mehr einkaufen zu gehen, größere Menschenansammlungen (Veranstaltungen, einkaufen, spaziergehen in der Fußgängerzone etc.) zu meiden. Das wäre tatsächlich unmöglich, diese Risiko muss jeder (sowie in Grippezeiten) wohl eingehen.
Der Vergleich zwischen dem Grippevirus und dem Coronavirus hat einen Haken. Die Inkubationszeit bei der Grippe ist wesentlich kürzer als die beim Coronavirus. Von Ausnahmefällen abgesehen wird jemand, der an Grippe erkrankt ist nur einen beschränkten Umkreis an Personen anstecken, während wie wir es in Oberitalien erlebt haben, dass wahrscheinlich eine einzelne Person in kürzester Zeit 200 Leute oder noch mehr angesteckt hat und die im Schneeballprinzip binnen zwei bis drei Wochen den Virus zu abertausenden und so weiter zu unzähligen weiterer angesteckten Personen verbreitet hätte. Und wir müssen über den sprichwörtlichen Tellerrand hinausblicken. Was wäre wenn der Virus Schwarzafrika erreichen würde? Einen der von Bürgerkriegen zerrütteten Ländern, in denen das Gesundheitssystem zusammengebrochen ist, wo es keine Grippe gibt, aber der Coronvirus sich widerstandslos ausbreiten könnte? Darum sollten wir uns nicht nur die Hände waschen, wir sollten ein bisschen weiter denken.

Josef Schwab, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 06.12.2021 um 04:25 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/der-vergleich-zwischen-dem-grippevirus-und-dem-coronavirus-hat-einen-haken-84321664

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