Leserbrief

Der Wolf, die Almen und das Klima

Zum Leserbrief "Der Wolf ist willkommen" vom 1. 10. 2019 von Herbert Kafka, Altlengbach:

Sie beziehen sich auf den Leserbrief von Herrn Franz Sendlhofer, den Sie des Nichtwissens bezichtigen. Da muss ich Ihnen aber voll widersprechen, denn Herr Sendlhofer weiß, wovon er in diesem Fall spricht. Was ich gemäß Ihren Ausführungen leider bei Ihnen stark bezweifeln muss.

Herr Kafka, wo nehmen Sie Ihre Unverfrorenheit her, über andere und hier über Bergbauern so unqualifiziert und vor allem egoistisch über deren Wirtschaftsbetrieb und Lebensinhalt bestimmen zu wollen, wenn Sie schon nicht mehr wissen, wie diese meist als Einmannbetrieb überhaupt über die Runden kommen? Sehen Sie sich einmal die Statistik der aufgegebenen Bergbauernbetriebe an. Haben Sie überhaupt eine blasse Ahnung, was diese für die Allgemeinheit durch ihre Bewirtschaftung der Hänge, Almen und Wälder und für die Hochwassersicherheit einbringen? Warum sind Sie nicht bereit, für deren Höchstwertprodukte endlich einmal den wahren Wertpreis für seine Apothekerware zu zahlen, dass auch er endlich eine entsprechende Entlohnung für seine Arbeit erhält? Was würden Sie sagen, wenn ich zu Ihnen kommen und Ihnen vorschreiben würde, was Sie alles in Ihrem Garten oder Haus unbedingt auf Ihre Kosten ändern müssten?

Sie müssen einmal einen Sommer auf die Alm und dort Hüterbub oder Goasser sein, damit Sie auch ein wenig laufen müssen, mit dem entsprechenden Lohn. Dann sprechen wir wieder miteinander!

Wenn die Bauern - und hier vor allem die Bergbauern - ihre Almen nicht mehr so bestoßen, pflegen und bewirtschaften wie dies noch vor 60 Jahren der Fall war, denn jetzt haben wir schon die alpinweiten vernachlässigten Almen, aber auch die laufend größer werdenden Schotterkare und -hänge, die überall öfter total aufbrechen und bis auf den Fels blank werden. Die Schotterfrachten und die schnellen übergroßen Hochwasserspitzen-Katastrophenereignisse werden mit den Klima-Höchstniederschlägen immer größer und häufiger. Dass damit auch die Tallagen und die Siedlungsgebiete immer mehr betroffen werden, ist die Folge.

Die alpine Welt sieht ganz anders aus und verhält sich auch ganz anders, als sie glauben. Wir müssen endlich begreifen, was notwendig ist: ein größeres gegenseitiges Verständnis, weniger Egoismus und viel mehr Rücksichtnahme, aber auch ein wesentlich engagierteres Miteinander, vor allem im Bereich der notwendigen eigenen Ernährung, und Verbrennungsenergien wie Chemie total einzuschränken. Dann hat vor allem die alpine Natur, ohne Bär, Luchs und Wolf, eine Chance, als Hochwasser-Menschenschutz wirken zu können. Denn diese Arten haben in ganz Europa genügend Lebensraum, aber nicht in der höchst gefährdeten Alpenregion, die vor dem Zusammenbruch steht. Oder träumen sie im Stillen auch vom Bugatti Chiron mit 490 km/h und 1000 kW, wie die übrige entartete Kfz-Branche?


Anton Wimmer, 5672 Fusch

Aufgerufen am 02.12.2021 um 10:08 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/der-wolf-die-almen-und-das-klima-77384983

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