Leserbrief

Der "zeitgemäße" Lohegrin ist bruchgelandet


Die Aufführung des "Lohengrin" war sicher unbestritten musikalisch sehr hoch stehend und wurde auch entsprechend gewürdigt. Die Regie ist eine andere Sache.
Es ist schon lange in Mode gekommen, Opern in so genannte "zeitgemäße" Formen umzusetzen. Nur wie ein Regisseur auf die Idee kommt, statt einer grünen "Aue" am Ufer der Schelde bei Antwerpen, die Handlung auf einer Geröllhalde samt Flugzeugwrack anzusiedeln, darauf muss man erst einmal kommen. Seltsam mutet es auch an, wenn die Überlebenden eines Absturzes dann in eleganter Kleidung schön singen …
König Heinrich klettert ebenso auf die Tragfläche, um die Edlen von Brabant zu begrüßen, wie auch später die Brautleute. Wo blieb der feierliche Zug zum Münster "Treulich geführt", Statt Brautbett gibt´s wieder nur die Tragfläche. Statt dem Schwertkampf Telramund - Lohengrin gibt`s ein Bombenattentat! Bei "Mein lieber Schwan" gibt´s nur einige schwebende Flaumfedern.
Was macht der wiedererstandene Gottfried mit einem kindischen Papierflieger?! Dafür wird er anscheinend nachher in die Luft gesprengt. Wie versteht sich das dann mit der Schlussszene "Seht da den Herzog von Brabant, zum Führer sei er euch ernannt!" singt Lohengrin zum Abschied.
So ein Regisseur kommt sicher noch auf andere "moderne" Ideen. Im "Fliegenden Holländer" würde z.B. ein Atom-Uboot starken Eindruck hinterlassen. Im "Walküre" könnten Hunding und Sigmund mit Lichtschwertern aus "Star-Wars" sich duellieren. "Tosca" springt nicht von einer Zinne der Engelsburg, sondern stürzt aus einer Raumstation in eine Umlaufbahn… So gibt es sicher noch manche tolle Regie-Ideen, warten wir es ab.

Ing. Walter Zehetmayer, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 26.01.2022 um 12:43 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/der-zeitgemaesse-lohegrin-ist-bruchgelandet-78885139

Schlagzeilen