Leserbrief

Der Zweck heiligt die Mittel?

Zum Beitrag "Frauenhaus: Stadtchef widerspricht Klambauer" (SN, 3. 3. 2020):

Der Artikel zum Frauenhaus in Hallein zitiert wörtlich eine Rechtfertigung des Stadtchefs zu dort nicht immer nachvollziehbaren Ausgaben: "In einer solchen Institution spielt Transparenz ausnahmsweise keine überragende Rolle . . ." Schon diese Aussage ist für einen Amtsträger in einem Rechtsstaat völlig unangemessen.
Die darauffolgende Begründung, es gehe dort ja um den Schutz für leidgeprüfte Frauen, ist heuchlerisch, da diese sicher keinen Vorteil durch nicht belegte Ausgaben haben. Die Frauen dienen nur argumentativ als Schutzschild gegen Kritik an der Geschäftsführung.

Die Argumentationslinie des Stadtchefs weitergedacht, hieße aber, je schutzbedürftiger die Klientel (Kinder, Kranke), desto intransparenter könne die Betreuungseinrichtung agieren.

Diese logisch "originelle" Rechtfertigung des Stadtchefs wäre eines Leserbriefs gar nicht wert, aber leider ist die zugrundeliegende Maxime: "Der (humane?) Zweck heiligt die Mittel" schon in viele Lebensbereiche eingesickert. Damit wird sie zur Gefahr für den Rechtsstaat.

Diese Humanitätskeule dient vielen als billiger Schutz vor Kritik und zur moralisierenden Abwertung von Kritikern. Aber zum Glück treffen sie damit oft den eigenen Kopf.


Roland Zweimüller, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 01.12.2021 um 05:41 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/der-zweck-heiligt-die-mittel-84699283

Kommentare

Schlagzeilen