Leserbrief

Die Frauen und ihre Quote

Sylvia Wörgetter hat es in ihrem Leitartikel "von der Leyen und die Frauenfrage" vom 18. 7. richtig angesprochen: nicht nur die "bösen Männer" sind schuld, dass die Frauenquote nicht erreicht wird. Wenn man - und das ist Fakt - davon ausgeht, dass Frau von der Leyen die erforderliche Qualifikation für ihren neuen Job mitbringt, muss man sich fragen, wieso so viele Feministinnen in diversen Parteien europaweit eigentlich die parteiinternen Absprachen über das Frauenthema gestellt haben. Hätten alle Frauen im EU-Parlament, ungeachtet ihrer Parteizugehörigkeit, wirklich "weiblich gedacht", dann wäre die neue Kommissionspräsidentin wahrscheinlich nicht mit knapper, sondern mit überwältigender Mehrheit gewählt worden. Und denken wir zurück: Hätten die österreichischen Frauen nicht parteipolitisch, sondern weiblich gedacht, hieße unser Staatsoberhaupt jetzt Irmgard Griss. Wenn wir also die "Quote" ernst nehmen wollen, müssen zuerst die Frauen ihr parteipolitisches Denken an die zweite Stelle ihrer Prioritäten setzen! Und das österreichische Parlament? Die derzeit einzige österreichische Partei mit einer Frau an der Spitze, die SPÖ, hätte sich gegen eine EU-Kommissarin Edtstadler quergelegt, weil es sich schließlich um eine "Vertraute des Intimfeinds Kurz" gehandelt hätte. Da schon lieber zähneknirschend den derzeitigen österreichischen Kommissar neuerlich nominieren (womit ich persönlich absolut nichts gegen dessen unbestrittene Kompetenz sagen will!).

Günter Braun, 1020 Wien

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