Leserbrief

Die Kirche muss - sich öffnend - Macht abgeben.

Alle Macht in einer Diözese geht vom Bischof aus. Wenn aber Versäumnisse passieren, werden diese in der Regel anonymisiert, dh. der Bischof braucht für nichts eine Verantwortung übernehmen - siehe Bischof Schwarz. Es müssen Strukturen geschaffen werden, welche mehr Einsicht durch die Öffentlichkeit erlauben. Welche dem oder den Entscheidungsträgern auch Rechenschaft abverlangen. Das geht nur, wenn die Bischöfe Laien (v.a. weiblichen) stärker beteiligen, sich kontrollieren lassen und damit Macht abgeben. Zum Beispiel an einen Pfarrgemeinderat, der bisher nur Ratschläge anbieten darf, aber keinerlei Rechte besitzt. Theologisch ist das möglich, und Hand in Hand mit ihr würde eine stärkere Beteiligung von Frauen und Männern einhergehen - ein Anliegen, das 1995 von 505.000 Unterzeichnern des "Wir sind Kirche" Volksbegehrens erwünscht wurde. Es verschwand still und heimlich in der Schublade von Kardinal Schönborn.
Ein weiterer positiver Aspekt wäre auch eine größere Freiheit bezüglich dessen, was gesagt werden darf. Die kirchliche Diskurskultur ist weiterhin von Tabus gekennzeichnet. Über sexuelle Verfehlungen von Priestern und Bischöfen musste wegen des enormen öffentlichen Drucks geredet werden, doch bestehen die Tabus in anderen Bereichen weiterhin. Der bedeutungsvollste ist offenkundig die Rolle von Frauen in der Kirche jenseits von Kirchenschmückern und Putzfrauen. Auch über den unseligen Zölibat reden nur sehr beherzte Priester. Das Kirchenvolk hat sich ja bereits ermüdet vom Thema abgewandt, so wenig Diskussionsbereitschaft geht von den Bischöfen aus. Ach ja, vom Papst gehen angeblich immer wieder "Signale" aus, die dann sofort auf ein Salvo rüpelhafter Ablehnungen stoßen. Es bleibt nur die Hoffnung, dass sich Franziskus auch einmal wirksam zur Wehr setzt.

Univ.-Prof. (i.R.) Dr. Adi Wimmer und Pfarrgemeinderat der Pfarre Don Bosco, Keutschach und Klagenfurt

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