Leserbrief

Die Lüge lebt weiter

Zu "Autobiografie von Kurt Waldheim" (SN, 3. 11.): Prof. Dr. Wimmer weiß als SN-Leserbriefschreiber, wo Kurt Waldheim gelogen und angeblich immer wieder gelogen hat. Leider mehrfach unrichtig - denn der Wahnsinn darf ja nicht zu Ende gehen.
1. In seiner Autobiografie hätte Waldheim, so schreibt Prof. Wimmer, seine Kriegsvergangenheit am Balkan verschwiegen. Falsch: Schon der erste Satz im Buch-Vorwort sagt: "Dies sind keine Memoiren im eigentlichen Sinn, sondern die Bilanz meiner Jahre an der Spitze der Vereinten Nationen."
2. Waldheim habe dem Verleger George Weidenfeld auf dessen Druck hin "widerwillig 40 Seiten" nachgereicht, schreibt Wimmer. Falsch - ich war bei der Entstehung des Buchs mit dabei: Weidenfeld wollte ein Buch über die Weltpolitik in den UNO-Jahren des Generalsekretärs aus Österreich, aber bewusst keine Biografie. Anderes wäre für einen internationalen Großverlag auch nicht interessant genug gewesen. Das wird schon durch den Buchtitel "In the Eye of the Storm" ("Im Auge des Sturms") deutlich.
3. Weidenfeld und Waldheim waren an Wiens Konsular-Akademie nicht nur Studienkollegen: Bis an sein Lebensende nannte der jüdische Lord den gejagten Österreicher "meine Rettung" und "den einzigen Mutigen, der unter NS-Herrschaft unser jüdisches Haus besuchte". Denn: Als Weidenfeld als "Rassenfeind" nicht mehr am Unterricht teilnehmen durfte, war Waldheim - und nur er! - an den Nachmittagen mit den Lehrbehelfen zu ihm gegangen, um dem Freund zumindest einen externen Studienabschluss zu ermöglichen. Gegen den internationalen Sturm hat ihm das Weidenfeld hoch angerechnet und in vielen Interviews bestätigt. Als Teilnehmer an Begegnungen des Lords mit Sissy und Kurt Waldheim sind mir späte Unwahrheiten recht unerträglich.

Heinz Nußbaumer, 2371 Hinterbrühl

Aufgerufen am 17.10.2019 um 12:52 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/die-luege-lebt-weiter-61144894

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