Leserbrief

Die Marke Heumilch

Die Marke Heumilch ist entstanden, als Österreich mit Eintritt in die EU die extrem hohen staatlichen Stützungen für den Emmentalerexport nicht mehr bezahlt hat. Damals ist ein Teil des Marktes weggebrochen und weil die Bauern auf die Heu-Produktion eingestellt waren, entstand die hervorragende Marketingidee Heumilch.
Die Familie Fink perfektioniert dieses Produkt mit hohen technischem und hohem Energieaufwand für die Unterdachtrocknung. Dadurch bleiben die wertvollen Inhaltsstoffe des Grases, die bei Bodentocknung durch Abbröckelverluste verloren gehen, erhalten. Dieser hohe Aufwand wird durch den Heumilchzuschlag nicht gedeckt. Das erkennt man daran, dass die Familie Fink einen der größten Bauernhöfe Seekirchens im Nebenerwerb betreiben muss. Bei der klassischen Heumilch mit Bodentrocknung erreicht man diese hohen Eiweißgehalt im Heu nicht und muss versuchen durch Kraftfutter, vorrangig Soja, dies auszugleichen. Neben der Eiweißgrundlage benötigt die Kuh in der Futterration auch Energie. Silomais ist hier die optimale Ergänzung. Weil ein Heumilchbauer aber keinen Silomais anbauen darf, muss er teures Bio-Getreide zukaufen.
Mindestens die gleiche Qualitätssicherung, wie durch teure Unterdachtrocknung, erreicht man mit der Erzeugung von Halbheu, welches man einer natürlichen Milchsäuregärung unterzieht, wesentlich billiger. Bei dieser modernen Silowirtschaft wird das Gras angetrocknet und luftdicht verpackt. Die früher bekannten Fehlgärungen durch Buttersäure gibt es dadurch nicht mehr. Auch dieses Produkt hat einen leicht säuerlichen Geruch, man möchte am liebsten hineinbeißen. Halbheu in Kombination mit Silomais ergibt die optimale Ernährung der Milchkuh und ist die umweltfreundlichste Milchviehfütterung.
Wenn für die Bioheumilch kein wesentlich besserer Preis bezahlt wird, dient die Marke nur dem Lebensmittelhandel.
Bäuerlicher Fleiß und hohe Baugrundpreise gleichen leider viel zu viel aus.

Dipl ing Peter Spielbauer, 5020 Salzburg

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