Leserbrief

Die "neue Gerechtigkeit"

Zur anstehenden Reform des Krankenkassensystems findet sich immer wieder die Argumentation - auch im Leserforum -, es wäre gerecht, dass Personen mit Zusatzkrankenversicherungen mehr (bzw. schnellere, umfassendere) medizinische Leistungen beziehen würden, da sie ja auch mehr in das System einzahlten. Diese scheinbar einfache und bestechende Finanzlogik hat nur einen folgenschweren Schwachpunkt: Sie lässt außer Acht, dass viele Menschen von privaten Zusatzversicherungen als Kunden nicht akzeptiert werden - und würden sie auch noch so viel Versicherungsprämie bezahlen. Gemeint sind all jene Menschen - auch Kinder und Jugendliche - mit einer medizinischen Vorerkrankung, sei sie akut oder nicht, oder Menschen mit chronischen Erkrankungen. Ich wünsche allen beste Gesundheit und kann aus eigener Erfahrung nur berichten: Wer einmal als "Problemfall" im System aufscheint, kann in Zukunft noch so leistungswillig und v. a. auch -fähig sein, es wird nichts nützen. Und so wird aus einer simplen Finanzlogik ganz schnell eine "biologische Logik". Wollen wir das wirklich? Ist das die "neue Gerechtigkeit"?

Dagmar Aigner, 5023 Salzburg

Aufgerufen am 22.10.2019 um 11:21 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/die-neue-gerechtigkeit-60985693

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