Leserbrief

Die österreichische "Gas- und Ölpolitik"

Bekanntlich hält die Republik Österreich über die ÖBAG 31,5 Prozent Aktienanteile an der OMV-AG und ist damit Mehrheitseigner. Und die Republik, das sind alle steuerzahlenden Bürger/-innen in Österreich.
Der OMV-CEO Rainer Seele, von 2015 bis 2020 in dieser Funktion, hat die Abhängigkeit Österreichs von russischem Erdgas auf ca. 80 Prozent in die Höhe getrieben und das zulasten der Gas-Liefermengen vom norwegischen Statiol Konzern. Hinzu kommt, dass sich die OMV im Jahr 2017 mit ca. 730 Mio. Euro an einem Finanzierungskonsortium zur Errichtung der Nord Stream 2 Pipeline beteiligt hat. Man könnte auch sagen, dem russischen Gazprom-Konzern unter Umgehung der bestehenden Gas-Pipeline durch die Ukraine einen direkten Lieferweg in die BRD eröffnen wollte. Die OMV als politischer Player?
So wie es nach dem Angriffskrieg Russlands aussieht, steht die Betreibergesellschaft "Nord Stream 2 AG" kurz vor der Insolvenz und 730 Mio. Euro österreichisches Staatsvermögen darf abgeschrieben werden. Der wesentlich schwerwiegender und nachhaltige Managementfehler der Ära Seele betrifft die Lieferabhängigkeit von Russischem Erdgas, aber auch vom Erdöl. Wer trägt die Verantwortung für diese Fehlleistungen?
Ich frage mich, mit welcher Aufsichtspflicht haben die OMV-Aufsichtsräte, die ÖBAG und ihre Vorgänger diese Deals befürwortet, die unabhängig von der kriegerischen Aktualität schon vor Jahren jegliches Maß an Verhältnismäßigkeit vermissen lassen. Wie kommen die OMV, die Regierung und die Anteilseigner aus diesen Dilemmata heraus? Jedenfalls wird es teuer für unsere Republik und hoffentlich nicht kalt im nächsten Winter.

Axel Träxler, 5020 Salzburg

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