Leserbrief

Die Proteste der "Fairkabler" waren nicht ungesetzlich

Sehr geehrter Mag. Reinhard Fischill,
als Leiter der Germania Pharmazeutika in Wien, Motto "Näher am Menschen", beantworten wir gern Ihren Leserbrief vom 22.10.20 in den Salzburger Nachrichten:
1. Die Proteste der "Fairkabler" waren nicht ungesetzlich. Wie wir wissen hat das Demonstrationsrecht Verfassungsrang und steht deutlich über den monetären Interessen eines Konzerns. Ungesetzlich war dagegen die Baugenehmigung für die Freileitung, die sich die APG mit gedungenen "Gutachtern", geneigten Seilschaften in Politik und Gerichten sowie mit erstaunlich falschen Aussagen zu Erdkabeln, Kosten, Schutzwald und Versorgungssicherheit erschlichen hat.
2. Die Fairkabler protestierten auch nicht gegen eine Stromtrasse sondern für die Ausführung als Erdkabel.
3. Die 220 kV Leitung wird mit großer Sicherheit noch weitere 40 Jahre bestehen, schon aus Sicherheitsgründen, weil die 380 kV Masten wegen der unzulässigen Schutzwaldschlägerung bei den zu erwartenden zukünftigen Hangrutschungen reihenweise über Monate ausfallen werden. Das steht schon fest.
4. Den im windlastigen Osten erzeugten Windstrom (8 Mrd. kWh in 2019) kann man auch mit Erdkabeln transportieren. Deutlich Verlust ärmer zudem.
5. Was soll der im Osten schon verteilte und verbrauchte Windstrom in Kaprun? Kaprun ist Speicher und Wasserkraft mit lediglich 0,742 Mrd. kWh Erzeugung. Allein die Durchleitungsverluste machen Ihr Argument unbrauchbar.
6. Kalorische Kraftwerke (Erdgas, Müll, Heizöl, 7,7 Mrd. kWh) werden auch weiterhin gefahren. Ansonsten importiert Österreich 3 Mrd. kWh.
7. Die CO2 Bilanz hat mit der Entscheidung Freileitung oder Erdkabel nur insofern zu tun, als dass bei Erdkabeln im Betrieb weniger Verluste anfallen und beim Bau 80% weniger CO2 gegenüber einer Freileitung entsteht.
8. Die Kosten für Stromkunden durch die Proteste sind vergleichsweise gering, wenn man bedenkt, dass das Erdkabel nach der positiven Erdkabelstudie von Prof. Oswald aus 2007 schon vor 10 Jahren fertig gewesen wäre. 10 Jahre Planungsarbeit mit Dutzenden Ingenieuren, das muss man gar nicht erst ausrechnen.
9. Bezüglich Ihres o.g. Mottos "Näher am Menschen" hätten wir von Ihnen noch eine Aussage zu den schweren gesundheitlichen Auswirkungen von Freileitungen erwarten können.

Infranetz und Rennert Kraftwerke GbR

Ingo Rennert, D-38529 Müden/Aller

Aufgerufen am 26.11.2020 um 12:11 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/die-proteste-der-fairkabler-waren-nicht-ungesetzlich-94620991

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