Leserbrief

Die Rechnung zahlen die Vertriebenen

Als ehemaliger Entwicklungshelfer habe ich die Flüchtlingswelle von hunderttausenden Chilenen in Bolivien nach dem Sturz von Allende im September 1973 erlebt. Alle Länder Lateinamerikas und Europa halfen mit, dieses Flüchtlingsdrama zu lösen. Im Mai 1974 bin ich bei meiner Heimreise per Schiff noch vielen Chilenen begegnet, die ein Visa für die Einreise nach Schweden in ihren Händen hatten.
Seit 2016 errichten die sog. staatstragenden Politikerinnen und Politiker Europas Zäune, Stacheldraht, Grenzkontrollen, etc.. Nunmehr gibt es auch Polizeifäuste, Hundestaffeln, damit "Flüchtige" nicht nach Europa kommen. Der Absperrzaun in Ceuta (Marokko) ist mittlerweile schon über 6 Meter hoch. Trotzdem versuchen die Flüchtenden, die sich bis zum Mittelmeer durchgekämpft haben, in ihrer Verzweiflung, auch diese Hürde zu überwinden.
"Schnelle Asylverfahren an den Außengrenzen, Auffanglager in Nordafrika, ein koordiniertes europäischen Einwanderungsgesetz, freiwillige Rückkehr mit ein paar Euro in der Tasche, Aufteilung der Flüchtlinge aus den griechischen Inseln", das sind nur einige der Ohrwürmer der 27 EU-Staaten, die uns Menschen in Europa seit 2016 ein wenig beruhigen sollte. Geschehen ist aber nichts!
Alle Bücher von Flüchtenden, die bisher veröffentlicht wurden, sprechen von schlimmsten Menschenrechtsverletzungen, Vergewaltigungen, Folter und Hunger. Einer der Flüchtenden ist der Schriftsteller und Aktivist Mdolela aus dem Kongo. Er flüchtete 2002, nachdem ihn seine Familie freikaufte, über Kamerun, Nigería, Benin, Burkina Faso, Mali, Algerien nach Marokko. Dort baute er eine NGO für Flüchtlinge aus dem Kongo auf. Am 1. 4. 2008 erreichte er Amsterdam. Er erlebte am eigenen Leib, dass an seinem neuen Aufenthaltsort in Niederlande, der Kampf gegen Diskriminierung, Rassismus und Menschenrechtsverletzungen weitergeht.
PolitikerInnen in Europa wacht auf und handelt solidarisch!


Ernst Gfrerer, 5302 Henndorf

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