Leserbrief

Die Rezeption der antiken Tragödie

Die Wesenszüge der antiken Tragödie liegen in Handlungsmustern wie Königsmord, Intrige, Generationenkonflikt, dramatischen Verfahren wie Berichte und Reflexionsmonologe und Figurenkonstellationen wie unglückliche Verliebte oder konkurrierende Herrscher. Dieses Ensemble von Merkmalen lassen von einer Rezeption der antiken Tragödie sprechen. Dazu kommen die aristotelischen Erregungszustände, wie Jammer und Schaudern oder Mitleid und Furcht.
Dichter brachten die griechische Tragödie auf die Bühne, wo durch Schauspieler in einem mehrtägigen Fest in Athen ein Sinneswandel beim Zuschauer bewirkt werden sollte. Jene trugen Masken, die ihnen ein starres Aussehen gaben; Individualität sowie Identität des Schauspielers wurden abgelegt, damit ihnen das Rollenspiel vereinfacht wurde. Die drei Handlungselemente des antiken Dramas haben ihre Gültigkeit bis in die Neuzeit: Einleitung, Verwicklung, Katastrophe. Die Schaltstellen Wende und Wiedererkennen gehen auf Aristoteles zurück.
So gesehen finden wir in der derzeitigen politischen Situation Österreichs nichts nennenswert Neues, bloß eine Rezeption der antiken Tragödie. Das alte Gespenst der Migration bricht herein und bedroht unser Bürgertum und bestätigt andererseits die christlich-jüdische Heilsbotschaft des in die Fremde-Gehen-Müssens.
Neu sind die Protagonisten der politischen Bühne. Nach einer Phase des Überganges werden die Bürgerinnen und Bürger entscheiden, ob sie den bisher eingeschlagenen und vielfach bejahten Weg für unser Österreich weitergehen wollen, der durch eine höchst unappetitliche Affäre unterbrochen worden ist und Anlass für Misstrauen gegeben hat. Es ist für unser Land zu wünschen, dass die begonnene, konstruktive Arbeit fortgesetzt wird, auf Grund der antiken Werte für Allgemeingültigkeit und Allgemeinverbindlichkeit.

Dr. Wolfgang Pullmann, 5020 Salzburg

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