Leserbrief

Die Schattenseite von Besuchsverboten

Aus persönlicher Betroffenheit möchte ich eine traurige Schattenseite der neuerlichen Covid-Maßnahmen ansprechen: Seit 24. Oktober gilt ein generelles Besuchsverbot an den Landeskrankenhäusern mit Ausnahme der Geburtenabteilung, Palliativstation und Psychiatrie.

Das Problem an dieser Maßnahme ist, dass eine große Anzahl an Patienten/-innen vergessen wird: die Alten, Schwachen und Kranken. Denn nicht jeder, der eventuell in den nächsten Tagen oder Wochen versterben wird, liegt auf einer Palliativstation und darf somit Besuch erhalten.

Der Hinweis, Kontakt über das Telefon zu halten, ist für diese Gruppe leider hinfällig.
Da ich selbst einen Gesundheitsberuf ausübe (Hebamme), sehe ich natürlich auch die andere Seite: Patienten/-innen und Mitarbeiter/-innen müssen geschützt, das Krankenhaussystem soll, so gut es geht, abgeschirmt werden. Eine Herkulesaufgabe. Nur frage ich mich wie viele andere Angehörige auch, ob wir dabei nicht die Menschlichkeit vergessen und nicht doch eine, unter besten Vorkehrungen getroffene, Lösung gefunden werden kann.

Kann es für diese Betroffenen nicht möglich werden, dass zumindest eine Person des nahen Umfelds alle zwei oder drei Tage für 15 Minuten, nach einem Covid-Schnelltest und unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen, zu Besuch kommen darf?

Im Moment bleibt nur das tägliche Telefonat mit der/dem diensthabenden (sehr bemühten) Ärztin/Arzt und die Hoffnung, dass unser Vater, Opa und Uropa weiß, dass wir ihn gerne besuchen würden und viel an ihn denken. Kontakt zu ihm hatten wir zuletzt vor der Aufnahme ins Krankenhaus vor sechs Tagen.

Sabrina Iwaszkiewicz-Hauss, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 25.11.2020 um 02:45 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/die-schattenseite-von-besuchsverboten-94913857

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