Leserbrief

Die Ursachen der Flüchtlingsbewegung bewusst machen

Sehr geehrter Herr Koller! Ich kann Ihrem Leitartikel in den SN vom 3.3. nur zustimmen. Was Grenzschutz in einer solchen Situation wirklich bedeutet, wird von Politiker/-innen hinter beschönigenden Worten versteckt, und wie es den Flüchtlingen und den Einwohnern der Länder, die auf der Fluchtroute liegen, wirklich geht, wollen sich nur wenige Menschen vorstellen.
Ich möchte aber Ihren Gedanken noch etwas hinzufügen. Mich wundert nämlich, dass in allen Medien fast immer nur erörtert wird, wie sich Länder die Flüchtlinge vom Hals halten können oder wie die EU monetär mit Erdogan umgehen soll, damit er den Pakt einhält und die Flüchtlinge in der Türkei verweilen lässt. Allenfalls hört und liest man noch von inakzeptablen Zuständen in diversen Flüchtlingslagern. Was aber fast kaum medial diskutiert wird und deshalb im öffentlichen Bewusstsein auch wenig Rolle spielt, ist der Skandal des schon neun Jahre dauernden Syrien-Krieges, wo Diktatoren ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung um Macht und territoriale Gewinne kämpfen und der Rüstungsindustrie fette Gewinne bescheren. Kriege werden von Menschen gemacht, sie sind keine Naturkatastrophen und das damit verbundene Elend ist vermeidbar. In Artikel 2, Nr. 4, der "Erklärung der Menschenrechte heißt es: ""Alle Mitglieder unterlassen in ihren internationalen Beziehungen jede gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates gerichtete oder sonst mit den Zielen der Vereinten Nationen unvereinbare Androhung oder Anwendung von Gewalt." Die Staatsmänner, die diesen Krieg nicht aufhören lassen, gehören vor den Internationalen Gerichtshof.
Ich erwarte mir von Journalist/-innen der Qualitätsblätter und anspruchsvollen ORF-Sendungen, dass sie den Menschen die Ursachen der Flüchtlingsbewegung immer wieder bewusst machen. Flüchtlinge wären dann für manche kein Feindbild mehr.


Dr. Lore Brandl-Berger, 1130 Wien

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