Leserbrief

Die Venus als personifizierte Landschaft

Die Universität Wien nennt nun das Trentino als Herkunftsregion des Steins der Venus von Willendorf. Dies bedeutet nicht, dass unsere Venus auch dort entstanden sein muss.
Da dem Fund der Venus I in Willendorf auch noch zwei Elfenbeinstücke (Venus II, III) folgten, an denen Vorarbeiten für eine Figurenfertigung erkennbar sind, dürfte sie erst in der Wachau geschnitzt worden sein, im Camp von Eiszeit-Jägern, die an der Donau auf Großwild warteten.
Auch die scharfen Ränder der kreisrunden Schalen auf Venus I zeigen, dass der Schnitzer nicht lästige Körnchen ausbrach, sondern dass es sich dabei um die Darstellung von Opferschalen handeln dürfte, die nördlich der Donau an aufgetürmten Granitblöcken vorkommen. In meinem Buch "Kult- und Schalensteine" (Bibliothek der Provinz: Weitra 2021) zeige ich, dass die Schalensteine den Körperformen der Venus I verdächtig ähneln. Die Statuette mit Gesichtsschürze sollte vermutlich bereits "Mutter Natur" darstellen, keine konkrete Ahnin, sondern die Landschaft als Figur. Für Figurinen des Gravettien war dies einzigartig.


Wolfgang Kauer, 5023 Salzburg

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