Leserbrief

Die verkannte Corona-Ampel

Man weiß nicht, welcher Teufel die für die Abwendung einer zweiten Corona-Pandemie-Welle verantwortlichen politischen Entscheidungsträger und Behörden geritten hat, dass sie sich über die Gesundheit der Staatsbürger, also ihrer Wähler, so locker hinwegsetzen! Betrachtet man den kontinuierlichen Anstieg an COVID-19-Infizierten ab Juli - bereits mehr als doppelt so viel Neuinfizierte als im Vergleichsmonat Juni - und den darauf rasanten Zuwachs, drängt sich einem der Gedanke auf, dass die Regierung - im Gegensatz zu manchen Tieren, die einen Winterschlaf halten - den Sommer verschlafen hat. Nur der Gesundheitsminister hat sich weniger Ruhe gegönnt und in dieser Zeit an seiner Corona-Ampel herumgedoktert. Als die vierfärbige Ampel ihren Betrieb aufgenommen hatte (4. Sept. 2020), zeigte sich, dass auch sie der schon rasant steigenden Zunahme an Corona-Infizierten kaum gewachsen war. Als die ersten gelben, orangenen und roten Flecken in Österreich aufgetaucht waren, hielten die dafür Verantwortlichen in der Regierung noch immer die Augen verschlossen. Zwar setzten politische Entscheidungsträger und Behörden regional konkrete Maßnahmen, aber manche Bürger widersetzten sich, indem sie in benachbarte Gemeinden oder angrenzende Bezirke auswichen. Von flächendeckenden Maßnahmen unter konsequenter Einhaltung von getroffenen Anordnungen fehlte jede Spur. Die um Schadensbegrenzung bemühte Ampel konnte den Gesundheitsminister bzw. die politische Führung nicht schon frühzeitig überzeugen, erforderliche und österreichweit notwendige Schritte zur Eindämmung der zweiten Pandemie-Welle einzuleiten. Mit dem Sprung auf Gelb oder auf Orange wollte sie nur zu verstehen geben, dass es für die dafür Verantwortlichen Zeit wäre, Präventionsmaßnahmen (vom Lateinischen praevenire: "zuvorkommen", "verhindern") in die Wege zu leiten. Doch Gesundheitsminister und Regierung ließen der Ampel freien Lauf, das kleine COVID-19-Virus schaltete und waltete, bis ganz Österreich errötete. Ende Oktober/Anfang November, wo sich die Natur von gelb, orange bis rot verfärbt, schlugen auch die Wächter über die Pandemie die Augen auf, und es dämmerte ihnen langsam, dass man etwas tun müsse. Viele Mitbürger haben in dieser Zeit des Farbenwandels schon längst Schwarz gesehen, aber es war schon zu spät, denn diese Farbe fehlt ja bei der Ampel.

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Wolfram Prihoda, 4820 Bad Ischl

Aufgerufen am 24.11.2020 um 10:54 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/die-verkannte-corona-ampel-95391688

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