Leserbrief

Die vorprogrammierte Armut

Die letzten Ereignisse haben deutlich gezeigt, wie notwendig Geldreserven und Sparguthaben auf einem Sparbuch, sein könnten. Beschäftigte, aber auch Pensionisten sind durch Pandemien und durch die Ukraine-Krise in große Schwierigkeiten geraten.

Viele Menschen in Österreich haben Angst vor Armut. Doch ein Teil der Armut wurde schon früher erzeugt. Dies belegen Berichte der Armutskonferenz. Diese Armutssituation wurde von der Politik vernachlässigt, und heute wird diese Armut in Österreich wegen der Krisen noch größer. Eine Teuerungswelle und eine hohe Inflation, verursacht auch durch den Ukraine-Krieg, erhöhen die Armutsgefahr. Dazu kommen noch in Zukunft durch die Klimasituation größere Ausgaben für Haushalte.

Wie sollen existenzbedrohte Haushalte klimaneutrale Mobilität und Öl- und Gasheizungsumstellungen usw. in einigen Jahren finanziell schaffen - außer man nimmt einen Kredit auf?

Die Vertreter des Volks haben auf die Nöte der Menschen zu schauen. Man bedenke, beinahe ein Drittel der österreichischen Bevölkerung ist arm oder armutsgefährdet, das sind über 2,5 Millionen Menschen in Österreich. Man sollte diese Situation nicht totschweigen, und Tausende Kriegsflüchtlinge kommen noch, die sich in Österreich anfangs noch schwertun werden.

Und noch etwas. Es wird von der Wirtschaft und den Banken krampfhaft versucht, den einfachen Bürgerinnen und Bürgern das Sparen mit Sparbuch unrentabel zu machen. Man soll lieber auf Aktien und Fonds und dergleichen wechseln, das bringe mehr, doch viele Bürgerinnen und Bürger wollen das nicht. Die Ukraine-Krise hat gezeigt, wie unsicher zum Beispiel Aktien sind, denn auch sichere Aktien haben teilweise starke Kursverluste gebracht. Wo ist hier die Sicherheit für angelegtes Geld? Für die einfachen Bürgerinnen und Bürger ist und bleibt das Sparbuchsparen der einzige sichere Weg, einen Notgroschen anzusparen, der jederzeit zur Verfügung steht. Aber bei Nullzinsen würde das Spargeld jährlich um die Inflationsrate an Wert verlieren, also eine Enteignung. Betroffen wären auch ältere Menschen (soziale Ausgrenzung). Was wir brauchen, ist nur eine einfache sichere Sparmöglichkeit ohne Geldwertverlust, auch für Notfälle, für jede/-n. Wieso gibt es Inflationsangleichung bei Gebühren usw.? Wieso kann man die Sparzinsen nicht so gestalten, dass der Wert bestehen bleibt, also eine Inflationsangleichung der Zinsen auf Sparguthaben, denn sonst wäre es ein Wertverlust, also eine Enteignung. Kredite muss man zurückzahlen und sie kosten Geld und man ist abhängig vom Kreditgeber! Ich habe schon das Gefühl, dass hier vonseiten der EU und der Wirtschaft der Bevölkerung etwas aufgezwungen wird, was mehr Schaden als Nutzen bringt, Nutzen nur für die selbst verschuldeten Staaten, und eine Abhängigkeit von Kreditgebern. Aber an den Armutsgefährdeten und Armen ist die EU bzw. die EZB anscheinend nicht interessiert, denn die Armen werden in der EU immer mehr. (Siehe SN v. 21. 4. "Armen tun die hohen Preise besonders weh" v. Richard Wiens und Bericht von Andreas Koller SN v. 31.1 "Die dreifache Enteignung der Bürger")

Friedrich Scharinger, 5110 Oberndorf

Aufgerufen am 19.05.2022 um 10:34 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/die-vorprogrammierte-armut-120850192

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