Leserbrief

Die Zukunft unserer Zivilgesellschaft

Zivilgesellschaftliches Handeln findet heute weniger in etablierten Parteien, Gewerkschaften und Kirchen als in zweckorientierten politischen Gruppierungen, Selbsthilfegruppen und Bürgerstiftungen statt. Von Skeptikern wird vermutet, dass der Staat sich mit dem Aufruf zum Bürgerengagement von seinen Pflichten entlaste und die Bürger so mehr soziale Anerkennung erhalten können.

Fachleute stimmten im Jahre 2000 dem US-Soziologen/Politologen Robert Putnam/Harvard-Universität mit seinem Buch "Bowling Alone: The Collapse and Revival of American Community" zu, dass die Gesellschaft langsam zerfällt. Verteilung von Essen an Arme, Einrichtung von Stiftungen, Integrationsbemühungen von Migranten und jugendlichen Arbeitslosen sowie die Förderung von Krankenselbsthilfe waren einige konsequente Folgerungen. Dieses "soziale Kapital" beruht auf der Beurteilung der Vitalität informeller Netze, die am Aufbau eines sozialen Gefüges beteiligt sind.

Zunehmend wächst der Verdacht, dass der Staat die Aufgaben, die er in der Zeit einer wachsenden sozialen Marktwirtschaft sich auflud, nun wieder abladen will und die gebildete Zivilgesellschaft mit demonstrativem Engagement gesamtgesellschaftlich sich Anerkennung verschaffen will.


Dr. Günther Dichatschek MSc, 6370 Kitzbühel

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