Leserbrief

Diebesgut ist zurückzugeben

"Grundsätzlich ist NS-Raubkunst in jedem Fall zurückzugeben" informiert das deutsche Kulturministerium die Öffentlichkeit (SN vom 11. 1. 2019).
Nun, das ist grundsätzlich falsch. Richtig ist vielmehr, dass jedes Diebesgut zurückzugeben, gänzlich unabhängig ob Kunst oder nicht, ob NS oder nicht. Aber offensichtlich gilt zweierlei Recht. Weltweit sind die Museen und Sammlungen voll von "organisierten" Exponaten, und man ist allerorts stolz darauf.


Zwei Beispiele (von vielen):
- in München und Wien (und auch anderswo) werden stolz die Kunst- und Kulturschätze präsentiert die nachweislich, kutschenladungsweise vor 200 Jahren aus den erzbischöflichen Sammlungen Salzburgs abtransportiert wurden (wobei sicherlich auch die Beschaffungsmethoden früherer Fürsterzbischöfe zu hinterfragen ist).
- Ausstellung "Bonjour Russland" 2007/2008 in Düsseldorf und London. Französische Meisterwerke von 1870 bis 1925 aus den vier großen Russischen Museen. Im Katalog Vorworte von Angela Merkel und Vladimir Putin, auf den Folgeseiten eine, mit alten Fotos dokumentierte, detaillierte Auflistung der ursprünglichen Besitzer (Russische Adelige und Industrielle), der Salons die vormals damit geschmückt waren.

Restitution - ein Fremdwort. Und Frau Merkels Kommentar zu dieser Raubkunst: "In diesen Werken kommt der erstrangige kulturelle und künstlerische Bestand einer der bedeutendsten Kulturnationen zum Ausdruck" - wie bitte? NS-Raubkunst ist grundsätzlich zurückzugeben, Revolutions-Raubkunst ist dagegen kulturelles und künstlerisches Zeugnis einer bedeutenden Kulturnation?


Wenn man der laufenden Diskussion folgt (Deutschland, USA, Österreich, etc.) ist offensichtlich nur NS-Raubkunst illegal. Diese himmelschreiende Rechtsbiegung bedeutet, dass das Thema nicht ansatzweise Ehrlichkeit, Legalität, etc. ist, sondern ausschließlich eine noch immer nicht bewältigte Vergangenheit (vielleicht kombiniert mit etwas schlechtem Gewissen und sicherlich ist es auch "in" sich der NS-Raubkunst-Diskussion anzuschließen).
Diebstahl und ein dem Diebstahl nahes "Akquisitionsgeschick" ist grundsätzlich zu verurteilen, das so "erworbene" Gut ist zurückzugeben; ja und nochmals ja. Aber es kann und darf keinesfalls davon abhängig sein, wer der Dieb war. Die derzeitige Einseitigkeit, ja Verlogenheit ist jedenfalls unerträglich und abzulehnen.


Dipl. Ing. Peter Weissengruber, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 22.08.2019 um 02:49 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/diebesgut-ist-zurueckzugeben-64294129

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