Leserbrief

Digitalisierung ist nicht bürgernah

Ich habe ein Problem mit meiner Arbeitnehmerveranlagung 2020. Ich erledige das seit Jahren online, dieses Mal kommt die Meldung, dass ein technischer Fehler vorliegt. Nichts ahnend mache ich mich auf den Weg zum Finanzamt, um das zu klären. Weiter als in den Eingangsbereich komme ich nicht, weil mich ein Angestellter um meinen Termin fragt. Früher ist man in eine Halle gelangt, in der Bedienstete an Pulten standen und die Ratsuchenden berieten. Nun, der Mann am Empfang drückte mir eine Karte in die Hand, auf der eine Telefonnummer und eine Internetadresse standen, womit man einen Termin vereinbaren könnte. Ich wählte die Telefonnummer, nach mehreren Minuten bekam ich endlich jemanden an den Apparat, der mich verbinden wollte. Nach einigen weiteren Minuten legte ich auf.

Daheim rief ich die Internetadresse auf. Hier galt es zuerst einmal einen Fragebogen auszufüllen, dann konnte ich einen Terminvorschlag machen, der auch akzeptiert wurde. Zwei Stunden vor diesem Termin rief mich eine Dame an und schlug vor, dass wir das Problem telefonisch lösen. Sie sagte mir, worin der Fehler lag. Ich hätte bei einer Zahl den Tausenderpunkt vergessen. Als ich anschließend meine Angaben kontrollierte, fehlte nirgends dieser Punkt. Ich werde also wieder im Internet um einen Termin anfragen.

Digitalisierung ist schon in Ordnung, aber nicht zwischen einem Amt und den Bürgern. Wie geht es dabei wohl älteren Menschen, die mit dem Computer nichts am Hut haben? Ein bisschen hege ich den Verdacht, dass Maßnahmen, die zu Coronazeiten vielleicht sinnvoll waren, in die tägliche Praxis umgesetzt werden sollen. Mir ist Ähnliches schon mit einem Gericht passiert. Dort habe ich aber noch eher Verständnis. Wo bleibt die Bürgernähe?


Hans Gastberger, 5301 Eugendorf

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