Leserbrief

E-Mobilität - ein Geheimnis?

Für viele Verantwortungsträger in Salzburg ist E-Mobilität offensichtlich noch ein Mysterium: Alle verweisen auf die heilspendende Wirkung sauberer motorisierter Individualmobilität, wenn diese überhaupt als zulässig angesehen wird. Es gibt aber offensichtlich nur wenig Einfühlungsvermögen in die Eigenschaften dieser neuen Antriebsform für Räder, Kfz und bald auch Nutzfahrzeuge. Hier ein Klärungsbeitrag:

1. Die Bereitstellung öffentlicher Ladestationen sind als öffentliche Infrastruktur dem Netzbetreiber zuordenbar, das ist in Salzburg überwiegend die Salzburg AG.

2. Beim Ladevorgang an einer öffentlichen Ladestation bezieht ein Kunde Strom von einem Stromhändler zu dessen Bedingungen, das muss nicht notwendigerweise die Salzburg AG sein. Der Stromhändler benötigt eine Konzession. Hier besteht ein erheblicher Regulierungsbedarf des zuständigen Bundes, weil die technischen Eigenschaften von Ladestation (momentan verfügbare Leistung) und ladendes Fahrzeug (max. Aufnahmefähigkeit von elektrischer Leistung, max. Batteriegröße) nicht allen bekannt sind und zudem bei Schnellladevorrichtungen kein einheitliches Preissystem für gelieferte Leistung und Arbeit sowie Benutzungsdauer besteht.

3. Ladestationen in Wohnungsnähe oder am Arbeitsplatz müssen nicht notwendig als Schnellladestationen ausgeführt werden, sondern können über eine einfache Haushaltssteckdose bedient werden. Damit kann problemlos etwa die Tagesdistanz eines Pendlers über Nacht oder während der Arbeitszeit geladen werden. Um einiges schneller geht es mit sog. Wallboxen, auch diese kommen mit einem Haushaltsstromanschluss aus und gibt es ab 700 Euro.

Was ist notwendig, um die Infrastruktur hier weiter zu bringen?

1. Häuselbauer haben es einfach! Sie können im eigenen Bereich und im Rahmen des bestehenden Stromanschlusses auch ihr E-Mobil laden. Mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach sogar sensationell günstig (es gilt Meys "Hab Erdöl im Garten!" - der Jahresstrombedarf eines E-Autos kann mit ca. 10% des Anschaffungswerts eines E-Autos in einer PV-Anlage investiert und dauerhaft genutzt werden). Wer hier super schnell laden will, muss entweder den Hausanschluss verstärken oder eine Hausbatterie anschaffen (welche idealerweise den Strom der eigenen PV-Anlage tagsüber speichert).

2. Eigentumswohnungen: Hier wird vom Bund gerade eigentumsrechtlich die Möglichkeit für die Installation von Wallboxen auf Rechnung eines Miteigentümers auch ohne notwendige Zustimmung aller Miteigentümer geschaffen. Bei Neuprojekten sollte verpflichtend eine entsprechende Leerverrohrung vorgesehen werden (zuständig: Land). Umsetzung durch Bauträger.

3. Mietwohnungen: Die Leerverrohrung + Verkabelung (!) zu vorgesehenen Stellplätzen sollte auch hier verpflichtend für Neubauten vorgeschrieben werden, der/die Mieter/-in kann dann am Stellplatz den dem Haushaltszähler zuordenbaren Ladestrom in der von ihm gewünschten Form (mit oder ohne Wallbox) beziehen. Beim Mietwohnungsbestand ist das wohl eine Frage der technischen Möglichkeiten und schafft die Installation einen Mehrwert. Umsetzung durch Land und Bauträger.

Als Mobilitätspragmatiker, der am häufigsten mit dem Fahrrad unterwegs ist, aber auch ein E-Auto samt Ökostromanlage betreibt, beobachte ich die hohe Emotionalität des Themas E-Mobilität. Dabei ist es eine denkbar einfache Innovation, wenn man sich mit den technischen und ökologischen Begebenheiten auseinandersetzt. Was meistens auch von den E-Auto fahrenden Umweltfreunden vergessen wird: Wer sorgt dafür, dass der für E-Mobilität zusätzlich notwendige Strom auch aus zusätzlich errichteten und betriebenen Ökostromanlagen stammt? Dazu vernehme ich von den zuständigen politischen Entscheidungsträgern nur Schweigen. Das wird für die ökologische Mobilitätswende mit E-Mobilität (egal ob am Rad, im Auto oder im Obus/Zug) nicht reichen.


Franz Kok, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 25.01.2021 um 06:36 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/e-mobilitaet-ein-geheimnis-83413021

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