Leserbrief

Ein Angriff auf das Weltklima

Zum Interview von Martin Stricker mit Spar-Chef Gerhard Drexel, SN vom 13. 7. 2019: Der zunehmenden Debatte um das gefährdete Weltklima kann sich mittlerweile niemand mehr entziehen. Täglich gibt es Schilderungen von dramatischen Ereignissen. Abgesehen von einer Unzahl Betroffener auf dem Globus drängen immer mehr Wissenschafter, Grünpolitiker, Aktivisten und junge Menschen auf grundlegende Lösungen, um Abhilfe zu schaffen und existenzgefährdende Vorfälle zu mindern. Verhindern konnte und kann dies ohnehin niemand.

Es wäre daher logisch und konsequent, dass die europäische Führung gegensteuernde Maßnahmen setzt, wenn schon die USA, Südamerika, Russland und Asien keinerlei Interesse daran erkennen lassen. Ungehemmtes wirtschaftliches Wachstum und rücksichtslose Hegemoniebestrebungen der führenden Nationen sind die stärksten Gegenkräfte und machen regionale und nationale Schutzaktivitäten zunichte. Dazu zählt auch des Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten.

Dass zu Verhandlungsbeginn vor ca. zwanzig Jahren die globale Klimaentwicklung weniger dramatisch beurteilt oder vielleicht sogar ausgeblendet wurde, ist kein Argument für die aktuelle Schärfe dieses Problems. Entscheidend ist der Letztstand der Erkenntnisse und nicht ein altes oder überholtes Szenario.

Herr Drexel begründet seine "Sorgen um das Klima" deutlich und logisch. Das ist sicherlich lobenswert und vernünftig. Aber es ist die Sicht eines Lebensmittelhändlers und es geht ihm auch darum, dass jegliches Abkommen mit den Entwicklungs- und Schwellenländern sein schönes Geschäftsmodell und Oligopol gefährdet, denn die heimischen Einzelhandels- und Lebensmittelkonzerne sind Zwerge im Vergleich zu den internationalen Ketten mit ihren aggressiven Preisen und Billigstquellen. Eine Zunahme dieser Mitbewerbergruppe hätte sicherlich fatale Folgen für die heimischen Erzeuger und Verteiler. Der österreichische Markt ist klein, überschaubar und wird mittlerweile von einer Handvoll Handelsketten dominiert, deren Praxis schon heute nicht nur Anhänger findet.

Die Interessen Gesamteuropas sind allerdings vielfältiger und die Länderinteressen noch detaillierter. Ein Konsens für den gesamten Kontinent ist vermutlich mühsam, wäre aber zu seinem Schutz angebracht. Genauso wie die Mercosur-Staaten nur eigene Interessen und ihre Zukunft im Auge haben.


Josef Landlinger, 5330 Fuschl am See

Aufgerufen am 23.10.2019 um 06:53 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/ein-angriff-auf-das-weltklima-73493890

Schlagzeilen