Leserbrief

Ein Appell an die Justiz

Zu "Kindesmissbrauch: Zahl der Verurteilungen stark gesunken" vom 29. 1. im SN-Lokalteil:


Während meiner langjährigen Tätigkeit als Vorsitzende von zwei (oftmals ausgezeichneten) psychosozialen Vereinen habe ich sehr viele Gespräche mit Betroffenen, Angehörigen und Experten psychischer Erkrankungen geführt. Dabei ist mir bewusst geworden, wie groß der Anteil sexuellen Missbrauchs im Kindesalter an der Entstehung und Entwicklung psychischer Erkrankungen ist. Die betroffenen Kinder leiden ihr ganzes Leben lang an den langfristigen traumatischen Wunden der Gewalt, die die sexuellen Übergriffe ausgelöst haben.
"Man hat mir nicht geglaubt", lautet oftmals die Aussage der betroffenen Kinder. Und so werden oftmals vor Gericht die Opfer als Täter hingestellt und die Täter gehen straffrei aus. Und wenn es keine Strafe gibt, dann kann auch keine Sühne stattfinden, die Opfer fühlen sich nicht entlastet und tragen diese Last ihr ganzes Leben hindurch.
Deshalb möchte ich Staatsanwaltschaft und Richter auffordern, genau hinzuhören und das Trauma der betroffenen Kinder mit einer Verurteilung der Täter zu beenden. Ich gehe auch davon aus, dass psychiatrische Fachleute in die Prozesse eingebunden werden.
Es muss also verhindert werden, dass die kindlichen Opfer des sexuellen Missbrauchs vor Gericht zu Tätern werden. Es ist unerträglich, wenn man die negativen Auswirkungen auf das Leben der betroffenen Kinder bedenkt. So danke ich Herrn Peter Trattner vom Kinderschutzzentrum für sein wichtiges Engagement in dieser Sache und hoffe, dass die Gerichte in Zukunft mehr Mut zur Verurteilung der Täter kindlichen Missbrauchs haben.


Sigrid Steffen, 5023 Salzburg-Gnigl

Aufgerufen am 22.10.2020 um 12:34 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/ein-appell-an-die-justiz-65194099

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