Leserbrief

Ein Einzelfall

Plagiat und akademischer Titel der Ex-Ministerin Aschbacher: Ein Einzelfall?

Jeder Betreuer (m/w/d) einer österreichischen Uni/FH ist verpflichtet (und wird auch dafür bezahlt), die Studenten (m/w/d) beim Schreiben zu unterstützen, eine akademische Arbeit genau zu lesen, Rechtschreibung/Grammatik und die wissenschaftliche "Überprüfbarkeit und Nachvollziehbarkeit" zu bewerten. Zu diesem Vorgang gehört auch die Prüfung der Diplomarbeit auf Plagiat (wird richtig
zitiert?). Ebenso sollen Forschungsfragen/Hypothesen und die Zusammenfassung (Integration von Theorie und Empirie, Beantwortung der Forschungsfragen) geprüft werden.

Meine Klienten (m/w/d) berichteten oft, dass Assistenten, Dozenten und selbst Professoren (m/w/d) dies alles nur mangelhaft tun. Oft fehlt Ihnen die Didaktik-Kompetenz, wissenschaftliches Arbeiten zu vermitteln. Oft fehlt ihnen die Betreuungszeit oder sind sie nicht gewillt, die Thesis-Prüfung korrekt durchzuführen. Diese Betreuer sind aber zugleich Teil eines "Uni/FH-Systems", in dem nach Studenten- und Absolventenzahlen finanziert wird, wobei die Betreuer oft zu viele Studenten betreuen sollen und diese "Massenabfertigung" teilweise nicht mittragen.
Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, warum immer mehr Studenten nicht fähig sind, eine korrekte akademische Arbeit selbstständig zu erstellen! Wurden Maturanten (m/w/d) durch die Schule nicht in die Lage versetzt, einen Text korrekt zu verfassen? Warum wird "kopieren-einfügen ohne Zitat" immer beliebter (Plagiat)? Wann kommt endlich das Gesetz gegen Ghostwriting?

Die Ex-Ministerin Aschbacher ist daher sicher kein Einzelfall! Das "Betreuungssystem" an Unis/FHs sollte sicherzustellen, dass Betreuer genügend Ressourcen und Studenten bessere sprachlich-formale Kompetenz haben, damit Diplomarbeiten gut werden und Titel gerechtfertigt sind. Dies alles würde aber deutlich höhere Anforderungen an und teilweise die Abweisung von Studenten bedeuten, ergo weniger Geld vom Ministerium. Doch wollen dies die Rektoren der Unis/FHs denn wirklich?

Mag. Clemens Spechtler, 5082 Grödig

Aufgerufen am 29.11.2021 um 03:58 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/ein-einzelfall-98252410

Schlagzeilen