Leserbrief

Ein Feuerwerk an Mutlosigkeit!

Es ist schon ein alter Brauch in Österreich: Alle Jahre wieder findet zum Jahreswechsel hin ein lautes Spektakel statt: Die hitzige Diskussion ums Silvester-Feuerwerk.

Dieser Brauch folgt einem strengen rituellen Ablauf: Der Forderung nach Verzicht bis hin zu Verbot, Umwelt, Tieren und Menschen zuliebe folgen polternde Parolen jener, die mit lauten Krachern und explodierenden Leuchtkörpern vielleicht auch ihre seltsame Vorstellung von Männlichkeit verteidigen wollen. Das Ritual endet schließlich mit Appellen an die Bevölkerung durch sich vor einer klaren Entscheidung wegduckenden Politiker/-innen.

Feuerwerke lassen die Feinstaubbelastung binnen kurzer Zeit massiv in die Höhe schnellen. Bei bestimmten Wetterlagen führt das dazu, dass man am 1. Jänner vormittags in manchen Städten das Haus nur schwer verlassen, ohne in Atemnot zu geraten. Neben dieser unmittelbaren Auswirkung auf die Gesundheit der Atemwege durch Feinstaub sind Feuerwerke aber obendrein auch klimaschädlich.

In Österreich gibt es also auch dieses Jahr erneut ein Feuerwerk an Mutlosigkeit: Appelle zum Verzicht statt klarer Regeln. Einmal mehr schieben Politiker/-innen die Verantwortung von Bundes- auf Landesebene und dort schließlich wieder weiter in die Gemeinden, bei denen in der momentan sehr österreichischen Regelung die Kompetenz liegt. Letztendlich hängt man aber die Verantwortung wieder der Bevölkerung um, wenn man so wie alle Jahre wieder kein einheitliches Verbot ausspricht, sondern erneut mutlos nur öffentlich dazu aufruft, man möge doch auf ein Feuerwerk verzichten.

Liebe Politiker*innen wir sind stolz auf eure Entscheidungsfreudigkeit!

Robert Gassner, 5500 Bischofshofen

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