Leserbrief

Ein großer Salzburger!

Ich hatte das Privileg, Marko Feingold bei diversen Veranstaltungen öfters zu treffen. Er war eine beeindruckende Persönlichkeit und hatte die Gabe, über den Dingen zu stehen. Trotz aller Demütigungen, unvorstellbarem Leid und Grausamkeiten, die er in seinem Leben erfahren musste, suchte er stets das Verbindende und Versöhnende. Unermüdlich erinnerte er uns an das dunkelste Kapitel unserer Geschichte, und zeigte uns dadurch, wie wichtig eine funktionierende demokratische Gesellschaft für eine freie Welt ist.

Geradezu ein Kontrast ist der Kleingeist, mit dem die Diskussion um die Suche einer ihm zustehenden(!) würdigen Erinnerung geführt wird. Verdient hätte er ein Denkmal neben Mozart. Ein starkes Zeichen wäre es, eine Straße eines ehemaligen Antisemiten und/oder Mitläufer der Nazi-Diktatur umzubenennen. Salzburg würde dadurch ein wenig vom Stallgeruch des Mustergaues ablegen.

Marko Feingold war ob seiner menschlichen Werte ein ganz großer Salzburger. Und hier meine ich nicht nur die Stadt, sondern das ganze Bundesland. Wenn schon in der Stadt derzeit ein unwürdiges Schauspiel abläuft, vielleicht ist die eine oder andere Gemeinde im Bundesland bereit, eine Örtlichkeit, eine Bildungseinrichtung, ein Gebäude etc. nach dem großen Salzburger zu benennen. Es würde mich freuen, wenn sich dazu der Landeshauptmann in die Diskussion einschaltet - es geht wie gesagt um einen großen Salzburger.

Letztendlich benötigen wir zur Entscheidungsfindung über eine entsprechende Würdigung des Lebens von Marko Feingold eine Mehrheit von Volksvertretern, die so wie er in der Lage sind, über den Dingen zu stehen.


Hans Georg Wallner, 5722 Niedernsill

Aufgerufen am 25.11.2020 um 07:04 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/ein-grosser-salzburger-92691361

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