Leserbrief

Ein Maulkorb für Maturantinnen und Maturanten

Die "Wahlfreiheit", zur heurigen mündlichen Matura anzutreten oder eben nicht, gibt es nicht: In manchen Schulen "erwartet" man, dass die Schüler/-innen antreten (um ihre Reife unter Beweis zu stellen?), in manchen Schulen lässt man durchblicken, dass die Maturant/-innen sich nicht unnötig schlechtere Noten einhandeln sollen (um ihre Schlauheit unter Beweis zu stellen?). Nicht zum ersten Mal müssen Nichtentscheidungen des Bildungsministeriums zwischen Direktor/-innen, Lehrer/-innen und Schüler/-innen "ausgefochten" werden. Wer einem jungen Menschen nach zumindest elf Schuljahren, plus einem Coronaschuljahr nicht die ehrliche Chance gibt, d.h. also die Verpflichtung auferlegt, sich und sein selbst gewähltes Wissen (den Inhalt der VWA oder wenigstens einzelne mündliche Gegenstände) im quasi öffentlichen Rahmen zu präsentieren, bringt diesem Menschen keine Wertschätzung entgegen. Mit dieser Matura reduziert man die Kandidat/-innen auf eine Nummer, die in der schriftlichen Zentralmatura Wissen abliefern soll und dabei vermutlich äußerst wenig bis gar nichts von seiner Persönlichkeit, seiner Haltung, seiner Überzeugungskraft, seinem Humor, seiner Eloquenz ... preisgeben können wird. Keine reife Entscheidung!

Manfred Länger, 1140 Wien

Aufgerufen am 27.10.2021 um 11:02 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/ein-maulkorb-fuer-maturantinnen-und-maturanten-101424817

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