Leserbrief

Ein neuer Bildersturm?

Wenn ein Logo, wie das von der Grafikerin Poldi Wojtek vor 90 Jahren für die Salzburger Festspiele entworfene, auch heute noch fasziniert, so steht dessen künstlerische Qualität wohl außer Zweifel.

Allerdings weisen einschlägig engagierte Historiker und Künstler/-innen darauf hin, dass Frau Wojtek gleich mehrfach "belastet" ist - war doch ihr Ehemann als NS-Kunsträuber aktiv, ihr Vater Nutznießer einer Arisierung und sie selbst hat sich nicht gescheut, von ihrem Mann vermittelte Aufträge anzunehmen.

Also was tun mit diesem "belasteten" Festspiel-Logo? Während sich die Malerin Konstanze Sailer in "Memory Gaps/Erinnerungslücken" mit dem Vorschlag begnügt, diese Grafik im Gedenkjahr 2018 - und auch das nur in der Online-Version - temporär zu verändern - "als Ausdruck, dass gewisse, mit den Festspielen verbundene, jedoch auf Grund ihrer politischen Haltung sehr problematische Musiker, Komponisten und Dirigenten der 1930er und 1940er Jahre, im Sinne der Erinnerungskultur nicht übersehen werden" -, geht der ehemalige SPÖ-Politiker und Historiker Walter Thaler einen Schritt weiter und verlangt einen kompletten Austausch. Das berichten die SN vom 27. Dezember 2018.

Wie mit künstlerisch Wertvollem, dessen Schöpfer/-innen einschlägig belastet sind, politisch korrekt umzugehen ist, das ist die Frage.


Helmut Hintner, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 23.09.2019 um 12:09 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/ein-neuer-bildersturm-63737143

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