Leserbrief

Ein Offener Brief an Herrn Blümel

Sehr geehrter Herr Blümel,

gestern wurde für die umstrittene Urheberrechtsreform gestimmt. Vielleicht hat sie ein paar Stimmen mehr durch Ihren Offenen Brief erhalten. Auf jeden Fall haben sich die Konservativen Parteien Europas und die großen Medienkonzerne gegen die Jugend durchgesetzt. 150.000 Demonstranten haben es nicht einmal in das österreichische Fernsehen geschafft. Trotz dieser europaweiten Demonstrationen haben sie sich klar dafür ausgesprochen. Sie schreiben in Ihrem Brief von gleichen Wettbewerbsbedingungen zwischen analogen und digitalen Medien, obwohl genau diese zerstört werden. Sie schreiben, wir sollen aufhören, die analoge und digitale Welt getrennt zu denken. Aber das Internet ist nicht wie die "alten" Medien. Es lebt von der Interaktion durch seine Nutzer. Sie schreiben, man soll geistiges Eigentum nicht stehlen dürfen. Aber mal ehrlich, Sie wissen, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist. Sie wissen, dass derzeitige Gesetze Plattformen wie Youtube oder Facebook genauso treffen wie sie auch analoge Medien treffen. Mit diesen Megakonzernen gibt es andere Probleme, wie Steuerflucht oder Datenklau, gegen die Sie allerdings nichts unternehmen. Ihrem letzten Punkt kann ich nicht ganz folgen. Sie wollen das Europa im weltweiten Wettbewerb eine Rolle spielt. Dann positionieren Sie sich allerdings für eine Urheberrechtsreform, die es jeglichen europäischen Firmen unmöglich macht, mit dem internationalen Markt mitzuhalten. Was haben Sie sich dabei gedacht? Für Sie mag das wie der richtige Schritt aussehen, aber als ein Jugendlicher, der mit dem Internet aufgewachsen ist, kann ich Ihnen sagen, dass dies ein gewaltiger Schritt zurück ist. Ich finde es schade, dass Ihnen die Meinung der Jugend so wenig wert ist.

Jan Schratzberger, 18 Jahre, Schüler, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 29.09.2020 um 07:01 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/ein-offener-brief-an-herrn-bluemel-67902475

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