Leserbrief

Eine Zukunft als Facharbeiter?

Das Gejammere von den fehlenden Fachkräften kann ich nicht mehr hören. Ich war 40 Jahre Lkw-Fahrer und bis auf die ganz erste Nachkriegsgeneration waren alle meine Arbeitskollegen gelernte Facharbeiter. Sie alle hatten eines gemeinsam, dass sie in ihrem Beruf so wenig verdienten, dass sie davon nicht leben konnten.

Daran hat sich bis heute nichts geändert, diese Facharbeiter verdienen bestenfalls so viel, wie ich Rente bekomme, und ich könnte mir nicht vorstellen, mir davon etwas zu schaffen. Durch Überstunden etwas dazuzuverdienen wurde mit Einführung des 12-Stunden-Arbeitstags vollkommen vernichtet.

Früher haben sich diese sogenannten "Facharbeiter" noch einigermaßen durch Schwarzarbeit über Wasser gehalten, aber auch das wird immer mehr erschwert, weil diese angeblich den Staat und die Wirtschaft schädigt.

Wenn es stimmt, dass eine Lehrerin beim Anblick einer Dachdeckerbaustelle den Schülern sagte "machts Matura sonst müsst ihr auch da oben rumklettern", dann hat sie jedenfalls die Wahrheit gesagt, wenn man bedenkt, wie groß das Risiko für Gesundheit und Leben bei solchen Berufen ist, das ohnehin niemand bezahlt.

Dieses Gerede von der Karriere mit Lehre ist auch insofern leicht durchschaubar, denn meines Wissens gibt es in der Salzburger Landesregierung keinen einzigen Hofrat, der ohne Studium dort hingekommen wäre oder in Zukunft dort hinkommen könnte.

Übrigens: Eine große Salzburger Wohnbaugesellschaft sucht gerade einen neuen Chef. Grundvoraussetzung, ein abgeschlossenes Studium. Warum nicht diesmal einen Maurermeister?


Hans Haberl, 5151 Nußdorf, Kleinberg

Aufgerufen am 27.11.2021 um 05:57 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/eine-zukunft-als-facharbeiter-84357631

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