Leserbrief

Einkommensschere wird größer

Eine ausgewogene Einkommensverteilung ist nicht nur volkswirtschaftlich, sondern auch demokratiepolitisch geboten. Nur wenn die Menschen das Gefühl haben, dass es in einer Gesellschaft halbwegs gerecht zugeht, ist mit ihrer Loyalität gegenüber dem System zu rechnen.

Auch wenn es Unterschiede dahingehend geben kann, was als fair und gerecht eingestuft wird, so gibt es jedoch Schmerzgrenzen. Wenn die Vorstände der 20 größten börsennotierten Unternehmen in Österreich 2020 im Durchschnitt nur fünf Tage arbeiten mussten, um das mittlere Jahreseinkommen eines österreichischen Beschäftigten zu verdienen (SN vom 8. 1. 2022), dann kann das weder mit Leistung argumentiert werden - so viel mehr kann niemand für ein Unternehmen erwirtschaften, noch ist es der Demokratie zuträglich.

Da der Staat aber keinem Unternehmen Maximaleinkommen vorschreiben kann, sind hier die Aufsichtsräte gefordert. Der Staat könnte jedoch die Steuern für derart hohe Einkommen weiter erhöhen, dann würde es weniger attraktiv, so viel zu verdienen. Die Unternehmen würden die hohen Einkommen dann wohl von selbst herunterschrauben.


Mag. Hans Holzinger, 5201 Seekirchen

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