Leserbrief

Einsam in der Krise

Bei allem Verständnis für die Ausgangsbeschränkungen in der Corona-Krise, an die sich alle in meinem Umfeld wirklich vorbildlich halten: Doch gibt es auch und gerade in Zeiten von Corona ein Recht auf Beziehung und Würde im Leben eines jeden Menschen!

Eine dieser Beziehungen kann ich nun seit 13. 3. 2020 nicht mehr pflegen - meine Großmutter lebt im Altersheim und würde Ende Mai ihren 100. Geburtstag feiern. Da sie geistig fit ist, und die Besuche ihrer Lieben das einzige sind, was ihr das Leben noch lebenswert macht, leidet sie sehr unter der fremdbestimmten Einzelhaft. Ich wünsche mir aus ganzem Herzen, dass sie "trotzdem" ihren Mut bewahrt, auch ohne die ihr so lebenswichtigen Kontakte zu ihren Lieben und wir gemeinsam ihren Geburtstag feiern können.

Gleiches erfahren wohl auch viele Menschen, die einen schwerstkranken oder schwerstverletzten Angehörigen auf einer Intensivstation wissen, in herausfordernden Lebenssituationen abseits von Corona. Menschen, die vielleicht nach einem Unfall die Liebe ihres Lebens verloren haben, selbst im Krankenhaus sind und nun mehr denn je zumindest eine Bezugsperson bräuchten, mit der ihr schweres Schicksal ein wenig leichter und würdevoller zu ertragen wäre.

Es gäbe doch auch die Möglichkeit, in jedem Altersheim und jeder Intensivstation für jeden Bewohner und jeden Patienten eine Bezugsperson festzulegen, diese in eine Schutzkleidung zu hüllen und den Menschen damit das Recht auf Beziehung, Nähe und Würde zu gewähren.

Meiner Ansicht nach ein Herzenswunsch und ein Menschenrecht!

Eva Windhofer, 5023 Salzburg

Aufgerufen am 30.11.2020 um 03:35 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/einsam-in-der-krise-86453320

Kommentare

Schlagzeilen