Leserbrief

Einseitigkeit der Darstellung

Mit Interesse lese ich Ihre aktuellen Beiträge über die Auseinandersetzung eines Lehrers der NMS Kuchl mit der Schulbehörde sowie den Eltern des Schülers.

Betroffen macht mich die Einseitigkeit der Darstellung. Anhand eines konkreten Beispiels bringt man zum Ausdruck, immer mehr Eltern würden Lehrer unter Druck setzen sowie die Schulbehörden benutzen, um die gewünschten Noten für ihre Sprösslinge durchzusetzen. Worauf stützen sich diese Behauptungen? Wer stellt fest, ob Eltern dies tun, weil ihnen die Note nicht "passt", oder da es tatsächlich zu Ungereimtheiten in der Benotung kam? Wer beurteilt, ob jener Vater den Einser seines Sohnes tatsächlich "erzwang", wie Sie es in Ihrer Headline darstellen? Es ist unbegreiflich, auf welch plumpe Art hier einer manipulativen Hetze gegen Eltern von Schülern Gehör geschenkt wird.

Eine Auswirkung dieser Negativpropaganda sind nun Lehrer, die Schüler im Unterricht darauf aufmerksam machen, dass sie weiterhin so benoten würden wie bisher bzw. Schülern Konsequenzen androhen, falls jemand eine Note beeinspruchen sollte. Was wurde hier in Gang gesetzt?

Meiner Meinung nach muss Benotung transparent sein. Dabei stellt sich in der Praxis das Problem, dass zwar die schriftlichen Noten Objektivität gewährleisten, die Vergabe der Mitarbeitsnote allerdings schon Spielraum für Subjektivität lässt. So ist in der Praxis nicht auszuschließen, dass es Fälle gibt, in denen die Meinung des Lehrers über die Mitarbeit des Schülers und die Meinung des Schülers über seine eigene Mitarbeit eklatant auseinander klaffen. Soweit mir bekannt ist, setzt sich dabei die Meinung des Lehrers durch. Für den Schüler, der seine Leistung erbracht hat, aber die schlechtere Note einsteckt, ist dies frustrierend.

Ich denke, wie bei allen Menschen verhält es sich so, dass es solche und solche gibt. Das ist bei Lehrern nicht anders als bei Eltern und auch bei den Schülern zeichnen sich Unterschiede ab. Es gibt zahlreiche hochmotivierte, enthusiastische, feinfühlige, gerecht benotende, den Schülern wertschätzend begegnende Lehrer, und ich habe Respekt vor all jenen, die auf diese Art in einem so herausfordernden Berufsfeld tätig sind. Aber dass keiner jemals etwas falsch machen würde, und alle stets gerecht benoten würden, halte ich für eine sehr naive Sicht der Dinge.

Gottfried Gradischnig, 5081 Anif

Aufgerufen am 29.11.2020 um 12:38 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/einseitigkeit-der-darstellung-64570309

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