Leserbrief

Endlich darf gezahlt werden!

Wir haben seit circa einem Jahr ein Elektrofahrzeug, da uns der Klimaschutz sowohl lokal als auch global wichtig ist. Es ist kein Zweitfahrzeug und auch kein Statusobjekt. Passend dazu bietet die Salzburg AG laut eigenem Bekunden einen Strommix aus 100 Prozent erneuerbaren Energiequellen. Somit ist eine deutliche Reduktion von CO2 gegenüber einem Verbrennungsmotor mit einem Elektrofahrzeug in Salzburg möglich. Ganz ohne Auto geht es leider nicht, wie vermutlich jeder Salzburger unterschreiben kann, der wie wir in einer Umlandgemeinde wohnt. Ein zweiter Anreiz war das einfache und kostenlose Laden in Salzburg.
Mit ärgerlicher Verwunderung habe ich den Artikel "E-Autos: Öffentliches Tanken ist ab Mai nicht mehr gratis" am Dienstag in der Lokalausgabe der SN gelesen. Dabei werden als Argument die vielen Reisenden und die verstopften Ladesäulen angeführt. E-Auto-Fahrer, die sich beschweren, dass sie gratis laden dürfen? Jetzt wird alles einfacher, wir dürfen bezahlen und zwar sehr viel mehr als üblich. Wenn ich, sagen wir 16 KW laden möchte, dauert das meiner Erfahrung nach zwei bis drei Stunden. Nehmen wir 2 Stunden à 4 Euro die Stunde, also 8 bis 12 Euro für eine Ladung. Kaufe ich aber denselben Strom auch bei der Salzburg AG inklusive aller Abgaben um 0,17 Euro pro KW, also für die Ladung um 2,72 Euro. Von den 11 Euro pro Stunde am Schnelllader möchte ich gar nicht reden.
Wir sind derzeit auch Kunden der Salzburg AG, weil es uns wichtig ist, dass der Strom ökologisch verträglich hergestellt wird.
Zum Thema verstopft: Wir hatten bisher noch so gut wie nie die Situation, das wir nicht laden konnten. Eher umgekehrt, meist sind wir allein.
Dann gibt es noch eine "fancy" App. Wieder eine Insellösung, die nur in Salzburg funktioniert und ein Datenkrake mehr. Wie toll das funktioniert: ein Beispiel: Wir wollten ins nördliche Oberösterreich fahren, haben uns aber entschlossen die Öffis zu nutzen, weil das derzeitige System ziemlich kompliziert und für eher einmalige Nutzung einfach uninteressant ist. Denn wir müssten eine App installieren und Kunde von einem Stromanbieter werden und dafür mindestens 20 Euro Mitgliedsgebühren bezahlen.
Und um Missverständnissen vorzubeugen, das Errichten einer Ladesäule lässt sich die Salzburg AG im Übrigen mit mehreren Tausend Euro bezahlen. Da sind keine Wohltäter am Werk, die endlich für ihre Leistungen bezahlt werden möchten. Hier geht es rein um das Geschäfte machen. Bei solchen Signalen wundert es mich nicht, warum das Thema E-Mobilität solch ein Ladenhüter ist, wie in Salzburg.

Ing. Wolfgang Köckerbauer, 5082 Grödig

Aufgerufen am 24.10.2020 um 05:28 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/endlich-darf-gezahlt-werden-69216607

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