Leserbrief

Enteignung bei der Bahnunterführung Golling

Den von der Enteignung betroffenen Adolf Gründl, mit 85 Jahren immer noch aktiver Installationsunternehmer, kenne ich, als zufriedener Kunde, schon seit vielen Jahrzehnten. Das Leid, das für ihn die Enteignung bedeutet, ist sicher allgemein mehr als nachvollziehbar.

Natürlich ist es der legitime Wunsch aller Gollinger Bürger und damit der Gemeindevertretung, dass der durchaus gefährliche beschrankte Bahnübergang durch eine Unterführung ersetzt wird. Ebenso natürlich ist es, dass sich Adolf Gründl mit seinem Haus, in dem er sein ganzes Leben verbracht hat, emotional verbunden fühlt. Es droht ihm, sein lieb gewonnenes, gemütliches Zuhause, an dem er bereits seit frühester Kindheit und mehr oder weniger sein ganzes Leben lang geschaffen und unablässig gestaltet hat, zu verlieren - das Familienzentrum, in dem auch die geliebten wöchentlichen Geschwistertreffen zelebriert werden.

Fassungslos muss man auch die emotionalen Warm- und Kaltduschen ansehen, denen Adolf Gründl seit 2011, also fast zehn Jahre lang ausgesetzt war.

Es gab nämlich mehrere geplante Bahnunterführungsvarianten, bei denen sein Haus als solches erhalten geblieben wäre. Erst zum Schluss kam ein Plan auf den Tisch, der den Abriss seines Hauses beinhaltete. Zu all den psychologisch belastenden Aspekten kommt noch für Gründl die total unbefriedigende finanzielle Angelegenheit hinzu.
Auf Basis eines Schätzgutachtens bieten die ÖBB Adolf Gründl für Haus und Grünstück 300.000 Euro. Um diese Summe ist es auf dem derzeitigen Immobilienmarkt unmöglich, im Zentralraum Golling ein annähernd gleichwertiges Anwesen zu erwerben (500 m² Grund, Haus mit ca. 160 m² aufgeteilt in zwei Wohnungen, 100 m² Keller für Werkstatt und Lager). Soll das ein faires Angebot sein?

Die Bahn ist bereits seit Kaiserszeiten mit einem robusten Enteignungsgesetz ausgestattet. Umso höher ist es einzuschätzen, dass sich, wie den SN vom 4. 6. 2020 zu entnehmen ist, ÖBB-Projektleiter Christian Höss und der Gollinger Bürgermeister Peter Harlander wirklich sehr um eine Lösung mit Adolf Gründl bemüht haben. Und genau hier möchte ich anknüpfen, damit die Gollinger möglichst rasch und ohne weitere Verzögerung zu ihrer Bahnunterführung kommen.

Denn es müsste doch auch jetzt noch möglich sein, dass ÖBB und Gemeinde gemeinsam eine für alle Seiten zufriedenstellende Lösung suchen und finden. Diese Lösung könnte bzw. sollte meiner Meinung nach dann so aussehen, dass Herr Gründl ein halbwegs adäquates Haus mit Garten, Wohnräumen und Keller bekommt und dieses wieder sein Eigen nennen darf. Hierbei müssen sich dann Geschwister, Verwandtschaft und eventuell auch Freunde entsprechend einbringen, damit Herr Gründl einem solchen Angebot ohne Verzögerung seine schriftliche Zustimmung erteilt.

Letztlich heißt das also auch für Adolf Gründl, einen guten Abschied von seinem bisherigen Zuhause zu finden und ein neues anzunehmen. Auch den Gollingern wäre zu wünschen, rasch zu einer Bahnunterführung ohne bitteren Beigeschmack zu kommen.

Ing. Lebrecht Angerer sen., 5440 Scheffau

Aufgerufen am 22.01.2021 um 02:18 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/enteignung-bei-der-bahnunterfuehrung-golling-89356900

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