Leserbrief

Entlassungsmanagement des Uniklinikums

Am 4. Juni dieses Jahres hatte ich (90-jährig) zu Hause am Morgen einen plötzlichen Sturz und war praktisch bewegungsunfähig, dazu kamen furchtbare Bauchschmerzen. Rettung war sehr schnell zur Stelle und Schmerzversorgung mit Hilfe einer hinzugezogenen Ärztin eingeleitet.

Aufnahme im Uniklinikum Chirurgie West, sofort ohne die geringste Wartezeit mit beginnenden Untersuchungen. Diagnose: Bruch des Pfannenbogenbeins, rechte Hüfte, dazu ein Hämatom im Bauch mit erheblichem Blutverlust. Ärztliche Meinung: eine schwere Verletzung mit sehr langer Heilungsdauer, da eine Operation nicht möglich sei.

Aufnahme in einem Einzelzimmer. Am frühen Nachmittag Besuch von einem Mitarbeiter, der über meine Lebensverhältnisse zu Hause Bescheid wissen wollte.

Betreuung durch meine Frau möglich, Aufstellung eines Krankenbetts möglich, ob Dusche und Lebensmöglichkeit auf einer Ebene (trifft bei uns zu) möglich. Auf meinen Hinweis auf meine ärztliche Diagnose, verließ er kurz mein Zimmer, kehrte bald wieder und erklärte die ärztliche Diagnose für nicht ganz richtig und es läge lediglich eine Beckenrand-Fraktur vor, die auch zu Hause behandelt werden könne und schlug den nächsten Tag zur Entlassung vor. Gleichzeitig überreichte er mir seine Visitenkarte mit der Berufsbezeichnung "Entlassungsmanager". Ich war bis 11. 6. im Klinikum und wurde dann in die Klinik Wehrle/Diakonissen überstellt. Dort wurde ich nach hervorragender medizinischer und sehr einfühlender menschlicher Betreuung am 20. 7. 2019 entlassen. Ausschlaggebend waren die jeweiligen Kontrollen der Röntgenbilder des LKH und die sehr sorgfältige Behandlung
von Hrn. Prof. Weitgasser und Fr. OA Kartnig, die sich wirklich alle Mühe gaben, und des gesamten Betreuungsteams, welches ein sehr persönliches Verhältnis aufbaute.

Der Sinn diesess Leserbriefs soll aber sein, in wessen Kopf der furchtbare Begriff eines "Entlassungsmanagers" entsteht und wozu dieser gut sein soll. Auf Patienten anzusetzen, die in körperlicher und seelischer Not sind. Was soll dieser Begriff eigentlich? Entscheidend sind noch immer die ärztlichen Diagnosen und nicht die eines offiziellen "Hinausschmeissers".


Fritz Belohaubek, 5023 Salzburg

Aufgerufen am 30.10.2020 um 12:08 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/entlassungsmanagement-des-uniklinikums-74223280

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