Leserbrief

Erinnerungen an das "Pestspital"

In den SN vom 24. 1. 2022 sowie in Ö1 wurde ausführlich auf das ehemalige Pestspital von Hallein eingegangen. Die Berichte über diese fürchterlichen Pest-Seuchenzüge, beginnend mit dem 17. Jahrhundert, und die drastischen Strafen für Bürger, die sich nicht an die Regeln hielten, sind nicht zu vergleichen mit der gegenwärtigen (auch lebensgefährlichen) Multiformen-Covidpandemie. So weit die längst vergangene
Geschichte.

Das Gebäude des alten Pestspitals, heute komplett renoviert und mit Holzbalkonen ausgestattet, dient als Wohnhaus. Nicht so lange ist es allerdings her, exakt im Jahr 1973 hatte dieses Haus noch sein altes Aussehen und seine Spitalsfunktion inne.

Das jetzige Halleiner Spital war damals erst in Bau und wem der Weg ins Klinikum nach Salzburg zu weit war, der wurde im Pestspital (dieser Name wurde gebraucht!) behandelt, operiert oder auch entbunden. Ich erinnere mich ganz genau, als mein Gynäkologe mir dringend empfahl, mich unbedingt rechtzeitig nach Salzburg zur Entbindung zu begeben. Wir hätten in Hallein nur das alte Pestspital, sagte er, und das
neue Krankenhaus sei noch nicht fertiggebaut.

Allein dieser Name flößte mir einen gehörigen Schrecken ein, wir waren gerade aus Wien zugezogen und erwarteten unser zweites Kind. Alles ging gut mit der Fahrt nach Salzburg und drei Stunden später waren wir Eltern von frühgeborenen gesunden Zwillingen.

Die Vorstellung, dass unsere beiden süßen Winzlinge im Pestspital das Licht der Welt erblickt hätten und dann natürlich als Frühgeburten sofort
in die Frühgeburtenstation transferiert worden wären, lässt mich heute noch erschauern.

Gerda Ziesel, 5026 Salzburg

Aufgerufen am 19.05.2022 um 11:52 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/erinnerungen-an-das-pestspital-116209720

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