Leserbrief

Erlebnis Obusfahren in Salzburg

Nach den hitzigen Diskussionen in den letzten Wochen bezüglich des Obusses in Salzburg möchte ich nun auch einen kleinen Beitrag dazu leisten:
Ich bin Mutter einer knapp sechsjährigen Tochter, wohnhaft in Gnigl. Nachdem mein Mann und ich der Meinung sind, möglichst viel mit dem öffentlichen Verkehr zu reisen, haben wir uns eine übertragbare Jahreskarte zu einem Preis von über 400 Euro geleistet.
Folgendes ist mir nun aber innerhalb zweier Tage passiert: Am Sonntag, dem 21. 10., steige ich kurz nach 8 Uhr morgens in den Obus der Linie 2, Haltestelle Volksschule Gnigl. Bei der Haltestelle Sterneckstraße steigt ein offensichtlich obdachloser Mann ein, schreit lauthals durch den Bus und belegt mit seinem "Gepäck" drei Sitzplätze. Kurz darauf steigen zwei Kontrolleure ein, ich zeige meine Jahreskarte vor. Der besagte Mann besitzt auf Nachfrage keine Fahrkarte, darf jedoch ohne Weiteres weiterfahren, muss nicht mal den Bus verlassen.
Am darauffolgenden Tag bin ich mit meiner Tochter um 7 Uhr morgens unterwegs zum Bus. Wiederum der Obus der Linie 2 bei der Haltestelle Volksschule Gnigl fährt zwei Minuten vor der geplanten Abfahrt aus der Haltestelle weg. Meine Tochter und ich schauen in die Rücklichter des Busses. Nachdem dieser im Stau zirka 50 Meter nach der Haltestelle zum Stehen kommt, laufe ich ihm nach, klopfe an die Scheibe und bitte die Fahrerin sehnlichst, mir nochmals zu öffnen. Dies tut sie, allerdings mit dem Kommentar: "Es wäre gut, wenn man pünktlich zum Bus kommt." Ich verkneife mir daraufhin jeden Kommentar. Als ich daraufhin bei der Haltestelle Gnigl-S-Bahn in die Linie 4 wechseln möchte, sagt mir die App Quando, der entsprechende Bus komme in einer Minute. Bei einem weiteren Blick auf die App steht auf einmal 7 Minuten da. Leicht frustriert steige ich in den Bus der Linie 10. Dieser braucht dann exakt eine halbe Stunde bis zur Haltestelle Hanuschplatz, wo ich in die Linie 9 wechsele, um dann um 8 Uhr bei meiner Endhaltestelle in der Lindhofstraße auszusteigen. Fazit: Salzburg-Gnigl bis Lindhofstraße mehr als 50 Minuten.
Diese zwei Geschichten waren jedoch leider nicht die beiden einzigen Vorfälle. Deshalb sage ich dem öffentlichen Verkehr in Salzburg auf Wiedersehen. Man behauptet immer, eine kulturelle Weltstadt zu sein. Leider muss Salzburg in diesem Zusammenhang noch ganz viel lernen. Ich habe es satt, mehr als 400 Euro bezahlen zu müssen, wo Schwarzfahren erlaubt ist und sich niemand an Abfahrtszeiten halten muss.

Anke Ranggetiner, 5023 Salzburg

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