Leserbrief

Es gibt nur den illegalen Weg

Herr Resch, ich finde Ihren Leitartikel "Entweder oder? Sowohl als auch!" (SN v. 18.12. ) sehr fein geschrieben und gut auf den Punkt gebracht. Da stimme ich Ihnen in der Tendenz völlig zu. Nur zu einem Punkt möchte ich Ihnen eine ergänzende Idee geben, über die es sich sicher lohnt, nachzudenken.
Es geht um den Punkt Migration. Sie schreiben: "Ja, es wird notwendig sein […] Illegale konsequent auszuweisen [...]."
Doch wer ist illegal in Österreich? Kein einziger Flüchtling kommt legal über die Grenze. Es gibt für Flüchtlinge so gut wie keinen legalen Weg über die Grenzen nach Europa. Einer wäre, sich im Heimatland an die österreichische Botschaft zu wenden (in Afghanistan etwa gibt es gar keine) und dort um Asyl anzusuchen. Das ist pure Theorie un d in der Praxis nicht möglich. Der andere wäre darauf zu hoffen, ins Resettlement-Progrmam der EU aufgenommen zu werden. Da fallen gerade mal ein paar Hundert Menschen darunter. Weder Afghanen, noch Syrer, Somalis oder Menschen aus Äthiopien oder dem Sudan haben also eine Chance legal über die Grenze nach Europa zu kommen. Wollen sie dem Krieg und Elend in ihrer Heimat entkommen, müssen sie irgendwie illegal ankommen, hier um Asyl ansuchen, um damit zu einem legalen Aufenthalt zu kommen.
Dieser Punkt ist den meisten Menschen nicht klar. Viele glauben, illegaler Grenzübertritt gehört unterbunden und damit würden nur legale Flüchtlinge nach Österreich kommen. Illegal sind meiner Ansicht nur jene, die nach einem abgelehnten Asylantrag untertauchen. Das sind in der Tat nicht allzu viele Menschen. Der Großteil der Flüchtlinge wartet als legaler Asylwerber Jahre auf die Erledigung des Antrags, darf nicht arbeiten und das ist besonders für junge Menschen eine sehr gefährlichen Situation. Sie haben nichts zu tun, kein Geld, aber viel Zeit …

Mag. Irmgard KischkoObfrau lobby.16, Unterstützung für unbegleitete junge Flüchtlinge - Bildung, Arbeit, Alltag, 1070 Wien

Aufgerufen am 16.01.2022 um 08:02 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/es-gibt-nur-den-illegalen-weg-114351340

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