Leserbrief

EU: Agrarindustrielles Beharrungsvermögen

"Die Interessen der Agrarindustrie haben sich durchgesetzt." So lautete der treffsichere Kommentar von "Salzburger Nachrichten"-Redakteurin Sylvia Wörgetter zur soeben beschlossenen EU-Agrarreform (SN vom 22. 10. 2020).

Schon vor dem EU-Betritt Österreichs am 1. Jänner 1995 war bekannt, dass 80% aller Agrarsubventionen an nur 20% der Agrarbetriebe in der EU gehen. Jetzt, mehr als ein Vierteljahrhundert später, hat sich an dieser Schieflage immer noch nichts geändert.

Das agrarindustrielle Beharrungsvermögen zeigt sich aber auch im Bereich "Genscherentechnik". Diese Technik machte heuer mit der Verleihung des Medizin-Nobelpreises Schlagzeilen.

Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom 25. Juli 2018 sind neue Züchtungstechniken wie die Genschere Crispr/Cas als Gentechnik zu werten. Damit unterliegen sie den gleichen Regeln wie die klassische Gentechnik. Dieses Gerichtsurteil soll offenbar ausgehebelt werden. Im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt vom 31. 7. 2020 wurde dazu berichtet, dass die deutsche Bundesagrarministerin Julia Klöckner fordert, dass man sich neuen Zukunftstechnologien nicht verschließen dürfte. Weiters war zu lesen, dass Österreich die Initiative der deutschen Agrarministerin begrüßt.

Die Devise lautet demnach: Das Vorsorgeprinzip soll zugunsten des Innovationsprinzips ausgehebelt werden.


Georg Sams, 5202 Neumarkt am Wallersee

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