Leserbrief

Europa und China in Afrika

Zum SN-Artikel vom 19.12.2018: "Chinas Weg ist nicht für die EU."

Zum SN-Artikel "Chinas Weg ist nichts für die EU" vom 19.12.2018: Der genannte Artikel, der sich vor allem auf das Verhältnis der EU zu Afrika bezog, sollte vermutlich Schlussfolgerungen widerspiegeln, die sich aus den Diskussionen der letzten Veranstaltung der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft zur europäischen EZA (Entwicklungs-Zusammen-Arbeit) mit Afrika ergeben hatten.

Offensichtlich hat es bei dieser Veranstaltung viele Fortschritte gegeben, aber mir scheint, dass das negative Bild, das nicht nur in Europa, sondern auch in Amerika ständig von China gezeichnet wird, und zwar in Bezug auf dessen EZA mit Afrika, nicht ganz berechtigt ist. Man beschuldigt China immer wieder des Neokolonialismus und übersieht dabei, dass die diesbezügliche EZA europäischer und anderer Staaten keineswegs vorbildlicher war und ist.

Gewiss, China wird zunehmend zu einem wirtschaftlichen und kulturellen Konkurrenten für die westliche Welt. In Afrika wirkt es dabei selbstverständlich auch eigennützig, gleichzeitig aber auch nützlich für Afrika, indem es dort ein Infrastruktur aufbaut, was die westlichen Länder in diesem Ausmaß bisher versäumt haben. Europa war bisher zu passiv und beschränkte sich oft nur auf kleine EZA-Projekte, die weder Afrika noch Europa einen großen Nutzen brachten. Ja, diese Projekte brachten im Endeffekt oft mehr Verluste als Gewinne für beide Seiten.

Zu den Folgen dieser zu geringen und falschen EZA zählen die wachsende Armut in Afrika, die extreme Zunahme der dortigen Bevölkerung, die Zunahme der gewaltsamen Konflikte und die Zunahme des Migrationsdruckes. Man muss kein Prophet sein, um voraussagen zu können: Wenn das so weitergeht, haben wir mit der Verdoppelung der afrikanischen Bevölkerung in 30 Jahren eine Verdoppelung der Armut und des Migrationsdruckes usw. am Ende des Jahrhunderts einer Vervierfachung dieser Probleme.

Im Interesse aller muss also mehr geschehen, und zwar vor allem dahingehend, dass die gesamte EZA "ganzheitlicher" wird und sich nicht nur auf einzelne Projekte bezieht, die ähnlich wie bisher nicht genügend ergänzend zusammenwirken. Im Einzelnen lässt sich das natürlich in einem Leserbrief nicht darstellen. Ich habe deshalb auch ein Buch zu diesem Thema geschrieben, das ich demnächst veröffentlichen werde. In Kurzem lässt sich aber jedenfalls sagen: In China bloß einen Konkurrenten zu sehen, halte ich für kontraproduktiv. Die europäischen Staaten sollten vielmehr versuchen, gemeinsam mit China eine EZA mit Afrika aufzubauen.

Dr. Rupert Biedrawa, 5161 Elixhausen

Aufgerufen am 06.12.2020 um 02:07 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/europa-und-china-in-afrika-62828128

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