Leserbrief

Fassungslos über Stellungnahme

Fassungslos musste ich erfahren, dass der frühere Papst Benedikt XVI. sehr wohl bei der Sitzung am 15. 1. 1980, bei welcher über einen Priester gesprochen wurde, der mehrfach wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern auffällig geworden war, teilgenommen hat. Der "Fehler" der Stellungnahme sei "nicht aus böser Absicht" geschehen. Hätte dieser alte Mann, der allen Ernstes unser Papst war, nur einen Funken von Ehre, Selbstachtung und Menschenliebe, würde er aufstehen und sagen: "Ja, ich habe gelogen, ja, ich habe weggesehen, ja, ich habe nichts dagegen getan, um das unsagbare Leid von unendlich vielen Kindern zu verhindern, ja, ich bin bereit bald vor meinen Schöpfer zu treten und werde ihm dann berichten, dass es ja nur eine "Folge eines Versehens bei der redaktionellen Bearbeitung meiner Stellungnahme war." Mir ist speiübel und ich bin definitiv nicht mehr bereit, einen Beitrag für eine Institution zu leisten, welche Kinderschänder beschützt, welche Schwule und Lesben nach wie vor als "fehlgeleitet und krank" bezeichnet, eine Institution, die über all die schrecklichen Taten ihrer "Hirten" nur den Mantel des Schweigens wirft. Ich schäme mich, dass ich erst jetzt den Schritt setze, aus dieser Institution auszutreten - aber besser jetzt als nie. Ich bin gläubig, ja, ich glaube an Gott, aber es reicht und das eine hat für mich mit dem anderen ein für alle Mal nichts mehr zu tun.


Gabriele Krauland, 5020 Salzburg

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