Leserbrief

Findet eine optimale Vorbereitung statt?

Da man oft hört, wie arm Schüler/-innen aufgrund der Coronakrise sind, welchen Lehrstoff sie versäumen, was sie sich alles selbst erarbeiten müssen, da kein regulärer Unterricht stattfindet, möchte ich doch einiges klarstellen, was großteils auf den Beobachtungen an meiner Schule basiert:

Die Lehrer/-innen arbeiten mehr als vor der Krise, Schüler/-innen sind jedoch zwei volle Tage in der Woche zuhause und können lernen. Mathematiklehrer/-innen übertragen ihren Unterricht für diese. Gruppen, die zuhause sind, werden weiterhin online unterrichtet. Die an der Schule befindlichen Gruppen erhalten aufgrund der starken Reduzierung der Schüler/-innen einen optimalen Unterricht, bei dem die Lehrenden noch besser auf Einzelpersonen eingehen.

Prinzipiell ist die konstante Arbeitsverweigerung bei einem Teil der Schüler/-innen ein Phänomen, das sich auch vor Corona manifestierte. Durch Corona hat sich bei diesen nicht viel geändert, außer, dass sie ihre Zeit jetzt noch weniger effizient nützen, da ihre gesellschaftlichen Kontakte reduziert sind. Wenn jetzt auch in der Unterstufe im zweiten Semester nur mehr eine Schularbeit stattfindet - die Überprüfung von Lehrzielen findet nun hauptsächlich durch Schularbeiten, Tests und mündliche Wiederholungen statt - können wir eigentlich schon bald Ferien machen. Kinder verlieren durch die wenigen Überprüfungen die Fähigkeit, sich überhaupt einer Prüfungssituation zu stellen. Das läuft jetzt schon fast zwei Schuljahre so und könnte fatale Folgen für unsere Jugendlichen haben.

Als Mutter einer studierenden Tochter sehe ich auf der Universität ganz andere Verhältnisse: Dort wird weiterhin den Studenten und Studentinnen sehr viel abverlangt, obwohl das ganze Studienjahr nur online war und die Onlinevorlesungen längst nicht alles vermitteln, was bei den Prüfungen benötigt wird.

Unseren Maturanten und Maturantinnen wird auch dieses Jahr die Matura erleichtert: Einberechnung der Jahresnote in die Klausurprüfungen, keine Präsentation der vorwissenschaftlichen Arbeit, keine mündliche Matura.

Könnte es nicht sei, dass unsere Maturanten und Maturantinnen, wenn sie zu studieren beginnen, schlecht auf das Studium vorbereitet sind? Und hätten optimal arbeitende Schüler/-innen nicht auch das Recht, mehr gefordert und gefördert zu werden?


Mag. Beatrix Unterer, 8047 Graz

Aufgerufen am 28.10.2021 um 07:46 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/findet-eine-optimale-vorbereitung-statt-101297191

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