Leserbrief

Fleischkonsum ist nicht von vornherein schlecht

In einem Artikel über unsere (manchmal durchaus pathologische) Beziehung zu Tieren sollte auch auf das durch die Jagd gewonnene Fleisch (Wildbret) eingegangen werden (SN, 30. April 2022 "Lass dich streicheln, Burger"). Das Wildbret, welches aus waidgerecht betriebener Jagd von Tieren stammt, die (wie lange noch?) in artgerechter Umgebung gelebt haben, ist das gesündeste Fleisch und steht auch nur in limitierter Menge zur Verfügung. Viele Jägerinnen und Jäger essen daher hauptsächlich das Wildbret selbst erlegter Tiere. Wie lange es angesichts der mannigfaltigen Bedrohung der Jagdausübung (Flächenfraß, Tourismus, industrialisierte Landwirtschaft, Wolfansiedelung etc.) noch möglich sein wird, gesundes Wildbret käuflich zu erwerben, erscheint indes fraglich. Die industrialisierte Fleischproduktion mit Massentierhaltung und Lebendtiertransporten ist nicht nur aus ethischen, sondern auch aus Gründen des Umwelt- und Klimaschutzes abzulehnen. Zudem sollte eine Reduktion des Fleischkonsums auch aus gesundheitlicher Sicht ein wichtiges Ziel sein. All das darf allerdings nicht dazu führen, dass es durch die von sozialen Medien verursachte Zuspitzung vieler Botschaften zu einer generellen Verdammung des Fleischkonsums an sich kommt.


Dr. Nikolaus Neuhold, 1190 Wien

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