Leserbrief

Fleischsteuer - oder der mündige Konsument

Viel ist in den vergangenen Wochen über die negativen Auswirkungen der Viehzucht auf die Klimaveränderungen diskutiert worden. Wieder einmal wurde dabei meist darauf verzichtet, sorgfältig zwischen dem kleinen heimischen Biolandwirt und der internationalen Viehindustrie zu unterscheiden. Dabei könnte der Unterschied größer nicht sein:

Während der eine seine Tiere artgerecht und unter strenger Kontrolle aufzieht und damit nebenbei wertvolle Dienste für den lokalen Naturkreislauf leistet, braucht der andere illegale Brandrodungen im Amazonas, um mit noch mehr Weidefläche die Gier nach immer billigeren Fleisch zu befriedigen. Die Reaktion der Politik auf die Diskussion war erwartbar simpel: Eine Fleischsteuer würde das Produkt verteuern, die Nachfrage eindämmen und damit das Problem lösen. Angenehmer Nebeneffekt: Die Staatskasse freut sich über noch mehr Einnahmen. Jetzt stellt sich ernsthaft die Frage, ob es diesen gesetzlich vorgeschriebenen Regulatismus braucht, um ein Problem zu lösen, für das einfacher Hausverstand reichen würde. Zu keiner Zeit vorher war der tägliche Fleischkonsum Selbstverständlichkeit, niemals zuvor wurden Lebensmittel in derartigem Umfang über riesige Distanzen hinweg gehandelt. Dass sich das negativ auf die Umwelt auswirkt, kann niemand überraschen. Jeder Konsument kann sich aber jeden Tag für den andern Weg entscheiden: In dem er ein heimisches Bio-Produkt wählt und damit einen wertvollen Beitrag für Nachhaltigkeit leistet. Der höhere Preis mag vielleicht den täglichen Fleischkonsum verhindern, hier kann die Devise nur lauten: weniger, aber dafür in besserer Qualität. Um dies zu verstehen, braucht es keine zusätzliche Steuern oder Vorschriften.

Sehr wohl ist der Gesetzgeber aber aufgerufen, in der Gastronomie für jene Klarheit über die Produktherkunft zu sorgen, wie sie im Handel längst üblich ist. Hier hat der Konsument ein Recht darauf zu wissen, welche Produkte in der Küche bei der Zubereitung verwendet werden. Dies wäre ein wichtiger und längst fälliger Schritt für mehr Transparenz.

Anton Juffinger, 6335 Thiersee/Kufstein

Aufgerufen am 21.05.2022 um 12:38 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/fleischsteuer-oder-der-muendige-konsument-76066651

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