Leserbrief

Fortgehen trotz Corona

Eine ZIB-Reportage zeigt den Zustand am Rudolfskai am Wochenende. Es wird gefeiert, als wäre Corona nur ein politischer Marketingmove, welcher von Bill Gates und Mark Zuckerberg erfunden wurde, um in ein bis zwei Jahren dann endlich den Impfstoff mit integriertem Mikrochip in uns alle einzupflanzen. Diese hirnrissigen und respektlosen Discorocker vergessen dabei leider die fast Millionen Todesfälle durch das Virus. Naja, kann ja mal passieren. Wie dumm das Ganze wirklich ist, ist leicht zu verstehen.

Sagen wir, ein Klassiker, unser Discorocker sagt, Corona betreffe junge Leute nicht allzu sehr. In der Grundeinstellung ist dies ja nicht komplett falsch. Die Chance, dabei zu sterben, kann jungen Leuten auf der Partymeile eh nicht allzu wichtig sein. Ob durch Schlägerei, durch Alkoholvergiftung oder Corona - ist doch eh schon egal. Dennoch verbreitet man das Virus immer weiter, wenn man sich und andere am Dancefloor anhustet und dann noch mit der einen, die eh nicht mehr gerade denken kann, ein Zimmer zu zweit nimmt. Da haben ältere Menschen mit geschwächtem Immunsystem wohl Pech gehabt, damit sich unser Discorocker, so wie eh jede zweite Woche, eintönig und ohne Freude daran, sein kaum vorhandenes Hirn wegsaufen kann.
Oft hört man, dass es eh egal ist, was man macht. Covid bekäme man sowieso irgendwann noch, ob in zwei Monaten im Bus oder in der Disco. Da staubt man sich lieber gleich die Immunität ab.
Über die Respektlosigkeit dieser Einstellung habe ich schon geredet. Es ist unverständlich, wie es einem so an Empathie fehlen kann. Naja. Zum einen ist die Einstellung "Irgendwann bekomm ich es sowieso" schon mal komplett falsch. Bei all den Maßnahmen geht es doch genau darum, das Ganze so lange wie möglich, bestmöglich bis zur Veröffentlichung eines Impfstoffes, hinauszuzögern. Da darf ruhig der Staat mal eine Schelle abbekommen. Alle für zwei Monate in Quarantäne zu stecken, nur um danach auf alles den Hut zu werfen.
Ein aktives Fortgehverhalten, wie man es gewohnt ist, könnte gar nicht mehr auf einen extremen Ausbruch gestimmt sein, aber naja, zumindest der Wirtschaft geht es gut. All die tausenden Menschen, die sterben, hatten Pech.
Man merkt, wie sehr es Menschen egal ist, wie es anderen geht. Egal, ob Kinder in Afrika verhungern oder ältere Menschen an Corona verrecken. "Solange es mir gut geht und die Wirtschaft am Laufen ist, passt eh alles. Bin ich halt mal drei Tage krank, ist doch egal." Könnte dein Opa das bloß auch sagen.


Damian Untersteiner, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 19.10.2021 um 03:14 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/fortgehen-trotz-corona-93775783

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