Leserbrief

Fragen werden durch Polarisierung verhindert

Ich bin keine Freundin der FPÖ. Ich mag diese Hetze überhaupt nicht. Ich mag die Ideologie nicht. Dennoch erscheint es mir, als ob es günstig wäre genauer hinzuschauen. Es wird etwas auf rüpelhafte Weise ausgedrückt, was in der Tiefe viele Menschen spüren. Die Angst vor Veränderung, die alle betrifft, die durch die kulturelle Globalisierung geschehen will. Es ist ja nichts geringeres im Fluss als die eigene Identität. So wie die FPÖ damit umgeht, möchte ich mit diesem Thema sicher nicht umgehen. Aber dennoch sollten wir dieses Thema ernsthafter in den Dialog bringen. Nicht nur pro und contra. Was macht das mit jedem Einzelnen? Was macht das mit unserer Kultur? Ich kann ja nicht nur Integration fordern, es kommen Menschen, und Begegnung mit Menschen bringt Entwicklung, damit Veränderung. Alle Zweifel und Ängste sollten auf den Tisch kommen und nicht einfach weggewischt werden.
Aber auch wie der Mainstream damit umgeht, das halte ich auch für nicht förderlich. Wenn ich immer wieder den Satz höre, den die Medien dann auch so gern kolportieren: "Zurück zur Normalität". Es geht eben nicht "zurück zur Normalität", sondern es sollte immer die Frage gestellt werden: "Wohin geht die Reise?", "Was tut das mit mir"?, "Was sind die Schritte?"
Zum Zweiten: Endlich einmal nicht nur Erfolgszahlen der Wirtschaft verkünden, sondern, wie müssen wir unser Wirtschaften verändern, dass wir wieder in Frieden mit der Umwelt (die wir ja gerade zerstören) leben können?
In Frieden mit den Menschen und in Frieden mit der Natur. Das erfordert Konfliktfähigkeit und Aushalten von Differenzen. Nachdenken über Differenzen.
Solche Fragen werden durch die schreckliche Polarisierung, die ich gerade erlebe, verhindert. Und da spielen die Medien mit.


Mag. Gertrud Zechbauer, 5020 Salzburg

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