Leserbrief

Fragen zum Thema Wolf

Ende Juni des vorigen Jahres war ich im Großarltal als Wegmacher unterwegs zur Filzmoosalm, bzw. zum Filzmoossattel. Es war etwa 11 Uhr vormittags auf einer Höhe von ca. 1500 Meter, als unvermutet ein Wolf aus dem Wald zum Wanderweg herunterkam. Wir fixierten uns gegenseitig ca. 5-6 Sekunden lang bei einer Distanz von ca. 25 Metern. Dann drehte der Wolf um und verschwand wieder im Wald. Ich hatte damals einen Monat lang niemanden von dieser Begegnung erzählt, denn das hätte wahrscheinlich für große Verunsicherung unter der Großarler Bevölkerung und den Wanderern gesorgt. Erste Frage, was wäre möglicherweise passiert, wenn statt mir ein Kind unterwegs gewesen wäre, oder eine Familie mit Kindern? Eine Urlauberfamilie hätte wohl die Wanderung abgebrochen und im Ort Alarm ausgelöst. Was mich an der Diskussion um den Wolf stört, ist die Tatsache, dass sogenannte Wolfsschützer der einheimischen Bevölkerung Vorschriften und Vorschläge erteilen, wie sie mit der Situation umgehen sollen, ohne die Gegebenheiten im Großarltal zu kennen. Sie wissen weder um die Weidegebiete für die Schafe und anderer Nutztiere Bescheid, noch wissen sie anscheinend nicht, dass auf den Wanderwegen zu den Almen täglich sehr viele Wanderer unterwegs sind, darunter viele Familien mit Kindern. Sollen in Zukunft die Kinder und die kleineren Nutztiere aus den Berggebieten weggesperrt werden, nur damit die Wölfe sich frei bewegen können? Warum fordern die Tierschützer, dass Nutztiere auf die Weide gehören, aber nun wegen der Wölfe eingepfercht werden sollen? Können die Kinder, die auf den Almen mitleben, sicher sein, dass sie nicht von einem Wolf attackiert werden, wenn sie Beeren und Pilze suchen oder bei einem Bach spielen? Es ist eine falsche Behauptung, dass Wölfe nur nachtaktiv sind und keine Menschen angreifen. Die Gesetze und Vorschriften zum Schutze der Wölfe, und nicht zum Schutze der Menschen und Nutztiere, werden weit weg von der betroffenen Bevölkerung gemacht. Warum sollte die vom Wolf betroffene und bedrohte Bevölkerung die Ratschläge und Vorschriften jener Menschen und Institutionen beachten, die nicht mit den Konsequenzen ihrer Ratschläge und Gesetze wie dem Abschußverbot, leben müssen?

Leonhard Prommegger, 5020 Salzburg

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